Mittwoch, 15. September 2021
Heute bin ich müde and all dressed up

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Dienstag, 14. September 2021
I lost my erection
Mir ist heute etwas Schlechtes und etwas sehr Schlechtes passiert. Ich beginne mit dem Schlechten: Im September beginnt ja diese magische Zeit, in der ich Dinge einkaufen und selber essen kann, da die im Haushalt lebenden Herren für sich entschieden haben, vor dem 1. Advent keine Weihnachtssüßigkeiten zu essen. Seit vielen Jahren ist es folgerichtig so, dass ich zwischen September und dem 1. Advent solche Unmengen an Weihnachtssüßigkeiten zur Verfügung habe (ich gebe zu, dass es mir ein gewissen Genugtuungsgefühl beschert, mich in dieser Zeit des Jahres für alles, was ich für mich gekauft habe und was dann mit der Begründung "Ich dachte, das muss weg, es befand sich im öffentlichen Raum" und was mir seit Weihnachten weggegessen wurde, zu rächen, da ich natürlich weiß, wie schwierig es für die Herren H. ist, eine Person Spekulatius essen zu sehen, während man selber noch mehrere Monate warten muss), dass ich am 1. Advent dann für das Jahr an Süßigkeiten durch bin. Samstag kaufte ich also Spekulatius, quittiert von entsetzten Gesichtern, dann räumte ich ihn in den Schrank und vergaß ihn, heute war ich zwei Stunden mit dem Hund unterwegs, kam nach Hause, aß dem Rest die letzte Lasagne weg, stöberte dann im Schrank, fand den Spekulatius und aß dann ganz viel davon, so viel, dass mein Gaumen jetzt wund ist und ich einen Hautfetzen, der mich störte, entfernte. Eventuell bin ich dann jetzt für 2021 mit Spekulatius schon fertig. Das ging ja sehr schnell.

Und dann habe ich heute, weil ich gestern 12 Stunden vorgelegt habe (freiwillig, um mir heute Tagesfreizeit zu beschaffen) ein größeres Hundeerlebnis geplant. Es ist ja modern, reflexartig zu sagen "ich höre ja keine Podcasts", ich muss aber sagen, dass ich sehr gerne Podcasts höre, zwar erst, seit wir selber einen gemacht haben, jetzt aber mit Begeisterung wie Feuer. Ich laufe so viel draußen rum und mache so oft recht intellektuell niederschwellige Sachen, dass Podcasts mir gerade recht kommen. "Früher" habe ich Hörbücher gehört, aber dafür fehlte mir häufig die Aufmerksamkeitsspanne, da ich dann hin und wieder doch kurz nachdenken muss. Podcasts sind perfekt, denn im Normalfall geht es um nix und ist auch alles gar nicht wichtig, seien wir doch mal ehrlich, die Perspektive von Micky Beisenherz auf das Weltgeschehen kann man wissen, muss man aber nicht. Naja. Heute waren rund zwei Stunden Hunderunde geplant, also brauchte ich rund zwei Stunden Unterhaltung, und weil ich ja Schmerz und Leiden nicht aus dem Weg gehe, beschloss ich, den neuen Podcast zu hören, der mir schon mehrfach ironisch angetragen wurden: Lanz und Precht. Nun gibt es dazu zwei Dinge zu sagen.

Ich als Frau halte es für vollkommene Verschwendung, Lanz und Precht zu *hören*. Das finde ich nicht ihr schärfstes Schwert. Ich könnte mir viel besser vorstellen, ohne Ton Lanz und Precht einfach anzusehen.

Zudem gibt es so Kombinationen, die ich sehe und einordne unter "Match made in heaven". In die gleichen Kategorie fiel einst das Gemeinschaftsbuch von Anne Geddes und Celine Dion. Da hatten sich einfach zwei Künstlerinnen zusammengetan, die ich gleichermaßen abstoßend fand, und das war dann schon wieder schön. Ein Buch von Anne Geddes mit Siouxsie Sioux hätte mein Weltbild viel mehr zerrüttet.

So gibt es nun also Lanz und Precht, und die Süddeutsche kündigte schon einmal an, dass hier keine Überraschung auf mich lauert. Ich zitiere den sehr schönen Schlussabsatz: "In Summe versuchen hier zwei Männer sehr freundlich, ein bisschen schlauer zu sein als der jeweils andere. Der eine, weil er am Nachmittag viel Zeitung gelesen hat. Der andere, weil er von der Party gerne später mit der einen Kommilitonin heimgehen würde."

Also liefen wir los, also der Hund und ich, und in der ersten Stunde hörte ich Folge 1. Und was soll ich sagen. Ich war überrascht. Lanz geht mir gehörig auf die Nerven in seiner Talkshow, das war erstaunlicherweise nicht der Fall. Precht traut er sich nicht zu unterbrechen, scheint es, und sein "ich weiß was, ich weiß was" dringt auch weniger durch, wenn sein Gegenüber etwas klüger ist als Susanne Hennig-Wellsow. Precht geht mir immer auf den Senkel, so auch heute, aber in diesem Format konnte ich ihn verhältnismäßig gut ertragen.

Ich stand also auf der Segelflugwiese, warf 1000 mal den Ball und lauschte Folge 1 und war nicht abgestoßen. Ich möchte sagen, ich war sogar interessiert. Ich fand die Positionen interessant, ich fand Vieles sehr klug, was gesagt wurde, dachte dann darüber nach, und mehr kann man ja nicht erwarten. Also brachen wir irgendwann das Ballspiel ab, weil meine Schulter wehtat, dann liefen wir eine Strecke, die wir sonst nicht laufen, sonst wird es ja irgendwann auch im schönsten Wald langweilig, und ich hörte Folge 2. 20 Minuten fand ich es so lala, und dann passierte der Dialog, den ich jetzt mal unkommentiert stehen lasse. Sie lesen hier ja schon was länger, und ich vertraue darauf, dass Sie eigentlich wissen, was ich jetzt dazu sagen würde. Setting: Zwei eitle alte Männer unterhalten sich über Linke und rutschen in die Gendersprachdebatte.

Lanz: "Gendersprache. Du sagst, das ist eine der dümmsten Ideen überhaupt."

Precht: "Ja, weil es nicht nötig ist. Wir leben in einer Gesellschaft, in der in den letzten Jahrzehnten die Situation von Frauen sich dramatisch verbessert hat. 50er, 60er Jahre, als Frauen keine Konten eröffnen durften ohne Unterschrift ihres Gatten, keinen Vertrag unterschreiben, beim Scheidungsrecht benachteiligt, und und und. Und heute leben wir in einer Gesellschaft, in der Frauen *quasi* gleichberechtigt sind. Ich weiß, es gibt noch den ein oder anderen Job, wo sie weniger Geld kriegen, es gibt noch das ein oder andere, was es zu tun gibt, aber im Grunde genommen ist das so. [blabla Bundeskanzlerin blabla von der Leyen blabla Lagarde blabla Hillary Clinton] Und natürlich finde ich, das alles ist ein wunderbare [blabla viele Adjektive] Entwicklung. Brauche ich darüber hinaus jetzt noch eine starke, aus meiner Sicht etwas unästhetische Korrektur der deutschen Sprache? Ist das überhaupt notwendig?"

Ich lass das jetzt mal so stehen. Wir halten fest: Für Herrn Precht reicht das mit der Gleichberechtigung jetzt, ist ja schon *quasi* fast gut. (Der Fairness halber: Selber zu hören in Folge 2 ab Minute 20, überall da, wo es Podcasts gibt.)

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End of an era
Heute morgen wurde ich um 6.30 wach, und zwar von einem komplett hysterisch bellenden Hund. Ich war mir sehr sicher, dass keine Einbruchsituation vorliegt und drehte mich vorerst noch einmal um, nachdem der Hund nach 5 Minuten allerdings noch exakt gleich hysterisch bellte, stand ich auf und dann fiel mir ein, dass heute ja das Auto - aus Hundesicht - geklaut wird. Ich warte ja auf ein neues Auto, das ich im März bestellt hatte und das, hurra, in KW 41 ausgeliefert werden wird, und da ich ja Schnäppchenjägerin bin, habe ich dieses Auto in einem Hamburger Autohaus bestellt, welches praktischerweise ein sehr günstiges Angebot hatte, gesetzt den Fall, ich tausche ein altes Auto dagegen ein. Nun habe ich ja ein altes Auto, nämlich den 17 Jahre alten Corolla, den ich vor 10 Jahren von Freunden übernommen hatte, die in die USA zurückgingen, damit ich ein Auto habe, in dem keine Schokocroissantreste auf dem Sitz und dann im nächsten Schritt geschmolzen an meinem Hintern sind, dieses Auto durfte dann mehrere Jahre niemand außer mir fahren (ergo: aufgeräumt, Wischerwasser voll, Einkaufswageneuro im Handschuhfach, Parkscheibe nicht verloren, etc.) 2016 bekam ich dann einen Firmenwagen und wir entschieden, das schlimme Auto zu verkaufen und den äußerst gepflegten Corolla zu behalten, den erbte also Herr H, danach bin ich vielleicht noch zwei oder dreimal darin beigefahren, die Trauer über die Alterungsprozesse (mein Mann hatte irgendwann Teile der Stoßstange einfach mit Gewebeband in fast Wagenfarbe angeklebt, und es wurden auch viele Schokocroissants in dem Wagen gegessen) ließen mich allerdings irgendwann entscheiden, dass ich nur noch im eigenen Auto fahre. Nun war der Corolla allerdings wirklich alt, hatte einen sehr hohen Spritverbrauch und musste auch mal wieder über den TÜV, und das alles fand ich nicht mehr zielführend, zumal ich auch nicht davon überzeugt bin, dass zwei Autos überhaupt noch nötig sind, also tauschte ich den Corolla ein. Und da ich den TÜV nicht mehr investieren wollte, um ihn dann noch exakt einmal nach Hamburg zu fahren, wurde er also heute morgen vom Autotransporter abgeholt.

Und jetzt frage ich mich seit 6.35 Uhr, ob der Hund eventuell einfach vollkommen unterschätzt ist und sehr wohl gesehen hat, dass das Auto vorm Haus, das mitgenommen wird, unseres ist, was im Normalfall ja wirklich nicht in Ordnung ist. Andererseits weiß ich nicht, ob ich ihr soviel Transferdenkleistung zutrauen kann. Wobei sie natürlich auch fast tot umgefallen ist, als neulich ein Handwerker kam und mit einem Vorschlaghammer die Wand in der Küche kaputtmachte. Das war ihr auch nicht recht, und auch da finde ich, der Hund hat einen Punkt.

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Sonntag, 12. September 2021
Duel +1
Bloggen statt Triell, ich werte das als weiteren Schritt im Sinne der Entschleunigung. Mal gucken, wann es mit mir durchgeht und ich einfach in gewohnter Manier alles aufschreibe, was ich eigentlich schreien möchte. Gerade hat Herr Laschet verkündet, eine Frage nicht beantworten zu wollen, das ist in Ordnung, ich denke, dass all die, die in den letzten Wochen die Aussagen der Kandidat*innen und Generalsekretäre und anderer Großkopferter gehört haben, alles gehört haben, was es zu hören gibt. Wir können daher abkürzen. Die Grünen haben den besten Plan, Frau Baerbock kann das, was sie im Start aus Dummheit verloren hat, aber jetzt nicht mehr reinholen, Scholz ist auch dabei und versucht weiterhin, einfach nichts zu machen, dann kann er auch nichts falsch machen, und das ist sein dickstes Pfund, und die Union möchte von Vielverdienern und konservativen Senioren gewählt werden und scheut sich zu diesem Zwecke nicht, uns alle intellektuell bis aufs Äußerste zu beleidigen, aber das ist in Ordnung. Ich sehe jetzt erst einmal für den Moment, dass ein Kanzler Laschet eventuell verhindert werden könnte, und damit ist ja schon mal viel gewonnen.

Ich hätte fast, wäre sie nicht so langweilig gewesen, die Brandrede von Markus Söder auf dem CSU Parteitag gehört, dann hob er allerdings an mit dem Satz "Menschen erzählen, der Impfstoff mache impotent. Ich selber habe letztens" und dann klickte ich schnell weg, das berührt einen Teil von Markus Söders Leben, den ich nicht erklärt bekommen möchte. Ich möchte das nicht wissen. Mir scheint, dass die Union ihre große Angst vor dem Reißen der 5% Marke (ich könnte jetzt schnell eine kleine Regressionsanalyse rechnen und gucken, wo wir theoretisch landen würden, wenn die Talfahrt bis zum 26. weiterginge, aber erstens wissen wir ja, wieviele Leute ohne größeren Plan einfach wählen, was sie halt so wählen, irgendwann ist also rock bottom hit, und außerdem ist ja noch Wochenende, Regressionsanalysen rechne ich nur an Werktagen) kollektiv umgelenkt haben auf Angst vor dem Kommunismus. Ich kann das nicht mehr hören, Sie auch nicht, daher muss das nicht weiter besprochen werden. Gestern führte ich ein Gespräch mit einen guten Freund, selbständig, momentan symptomfrei autoimmunerkrankt, aber nicht sicher, wie lange das noch gut geht, finanziell gut aufgestellt, verheiratet ein Kind, Frau in sehr guter Position im öffentlichen Dienst, und so jemand, der alles immer sehr risikofrei und vorausschauend macht. Also anders als ich. Er hat eine Immobilie und diverse Anlageprodukte zur Altersvorsorge, beide haben durchaus auch mal in die Rente eingezahlt, und jetzt haben sie mal ihre Rente prüfen lassen und voila, noch immer klafft ein Loch von 500.000 Euro. So. Ich habe keine Angst vor Linksrutsch. Ich habe Angst davor, dass keiner mir, okay, mir nicht, ich bin Unternehmerin - nicht zuletzt, weil ich aus hochbezahlter Position wegging, weil Rente sowieso nix ist, was ich mit reinrechnen würde, wer weiß, wie das alles gehen soll - aber vielleicht Millionen von anderen, mal ein gutes Konzept für die Rente vorlegt. Ich habe auch Angst davor, dass mir jetzt jedes Jahr irgendwann die Einliegerwohnung im Souterrain vollläuft, so wie neulich, das erste Mal seit 1957, zumindest seit dann wissen wir es sicher. Gut, das kann man ja jetzt auch nicht mehr rückgängig machen, indem man 2095 aus der Kohle aussteigt, aber ich fände es eine wirklich gute Idee, die ein oder andere gerne auch erzwungene Maßnahme politisch durchzusetzen, die der Welt dabei hilft, dass der Wohnbereich im Hochparterregeschoss perspektivisch bewohnbar bleibt, sonst wird meine persönliche Rentenlücke nämlich immens viel größer. Ich bin übrigens mehr als bereit, dafür einfach viel mehr Steuern zu zahlen. Mein Leben würde sich nicht ändern, die Welt aber ja vielleicht doch. Davor habe ich Angst, und dem kann man nur mit realistischen Konzepten, sinnvollen Inhalten und politischer Neuausrichtung begegnen. Ich habe keine Angst vor einem Linksrutsch.

Jetzt hat Laschet gerade gesagt, dass die Grenze gegen Rechts steht und er die geistigen Brandstifter bekämpft, von Maaßen wollte er sich drei Minuten vorher nicht distanzieren, er wähle ja in Aachen. Und damit hab ich mich für heute auch eigentlich genug gelangweilt.

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