Mittwoch, 12. September 2012
Herzbruchens im Urlaub Teil 3
heute also der tag, an dem es gut ist, dass wir die unterlagen fuer eine blitzscheidung zuhause gelassen haben. und das kam so:

gestern mittag brachen wir mit unserem superkombi auf, um ein kloster in einer hoehle zu besuchen. das war sehr nett, doch danach war noch tag ueber, also fuhren wir nach xiva de morella, ein kleines bergdorf mit 30 einwohnern, 2 davon bekannte vom mann. die waren allerdings verreist, also genossen wir ein wenig die geraeuschkulisse eines schlachthofs. als ich davon genug hatte, setzten wir uns wieder ins auto und fuhren in die serpentinen. es gibt in xiva genau eine strasse, die sich 8 km durch die berge nach morella schlaengelt, das ist wichtige information. wir fuhren also los, und nach 100 m liefen 2 alte leute stadtauswaerts. ich hatte die herrschaften schon vor einem haus sitzen sehen, klarer fall von verdauungsspaziergang, also. dass die beiden jetzt 8 km nach morella laufen wollen, hatte ich ausgeschlossen.

der mann aber war sich unsicher und hatte helfersyndrom. nach 500 m bremste er, sagte, er koenne doch die alten menschen jetzt nicht so einen weiten weg laufen lassen (er hatte das mehrmals selbst gemacht, und auch mit 30 war das grenzwertig), ob er denn drehen solle, und ich sagte sehr entschlossen nein, da ich a) mir sicher war, dass die nicht nach morella muessen, und b) ich auf gar keinen fall wollte, dass der mann jetzt irgendeine wendeaktion in den serpentinen startet. und dann eine szene, die unsere ehe sehr gut zusammenfasst: ich sage nein, auf gar keinen fall drehen, der mann bremst, faehrt rechts in die pampa, dreht, setzt das auto auf einem stein auf, es macht ein fieses geraeusch am unterboden, und seitdem verliert es wasserartige fluessigkeit. ich muss nicht erwaehnen, dass die alten herrschaften schon wieder fertigverdaut vor ihrem haus sassen und auf den schlachthof guckten, als wir mit dem tropfenden auto wieder ins dorf rollten. auch ueberfluessig zu betonen, dass die maennliche feststellung, dass das nicht ganz so cool war und die einsicht, dass er besser auf mich gehoert haette, nicht zur besaenftigung beigetragen hat.

wenn das auto gestanden hat, tropft es uebrigens nicht. ist das wohl die klimaanlage und gar nicht bremsfluessigkeit? gehoert das vielleicht so? oder isst der mann jetzt wie 98 nur noch brot und tuetensuppe, weil die 1800 euro selbstbeteiligung von seinem essensbudget abgehen...

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Dienstag, 11. September 2012
Herzbruchens im Urlaub Teil 2
eine sache, die ich schon seit dem studium wusste: geh mir wech mit artifiziellem raumduft. unser apartemiento ist muy bonito, hat aber leider diese potpourri-geschichte. nix gegen duft, aber in der kueche kann ich mich quasi nicht aufhalten, ohne hysterisch zu suchen. eine schale parfumierter zapfen ich schon gefunden und eliminiert, heute abend folgt hoffentlich der rest. beim einchecken hat die vermieterin mich uebrigens konspirativ zur seite genommen und mir den raum mit den putzutensilien gezeigt. vorher hatte sie den mann nach draussen zum spielen geschickt. leider wusste ich nicht so schnell, wie man den satz "bei uns putzt ja der mann" sagt.

reisen mit kind ist eher geht so. in einem bergdorf, in dem es sowieso nichts zu tun gibt, eine aktivitaet finden, die erwachsene und kind gleichermassen interessiert, ist eine herausforderung. immerhin haben wir endlich mal so richtig zeit, uns zu unterhalten, wenn das kind um 7 uhr im bett liegt. urlaubsthema numero uno sind bislang die kindlichen gewaltattacken bei muedigkeit und zuckerzufuhr. fuer heute also suessigkeitenverbot, und nach der rueckkehr besuch beim psychologen. haben wir das also auch mal besprochen. morgen besprechen wir wohnimmobilien.

interessant auch, dass alle einheimischen auf der strasse stehenbleiben und erklaeren, das kind sei huebsch. muss man sich mal in duesseldorf auf der koe vorstellen. aber andere laender, andere sitten. man koennte sich ja auch nicht vorstellen, dass herr sauer auf dem podium steht, die arme hochreisst und "merkel" skandiert. in anderen teilen der welt ja auch normal.

ich bin ja 98 mal monatelang mit meiner lieben freundin sabby mit dem rucksack durch spanien gehungert. anders kann man es nicht sagen. jedenfalls haben mich damals einige dinge an diesem land gestoert, und ich muss leider politisch inkorrekt sagen, dass es mich schon wieder stoert. stoerfaktoren:

- der valencianer reagiert schnell eingeschnappt, wenn der deutsche nur unidiomatisches spanisch spricht und deshalb gar nicht auf valenciano den weg erklaeren kann oder so. fragt doch wen anderen. oder lernt englisch. oder spanisch. oder kartenlesen. (interessant auch: man kann im prinzip einfach eine grosse menge substantive einer sprache lernen, dann versteht man mehr, als man denkt. ich hoere immer nur substantive, hin und wieder kann ich eine verbform einem infinitiv zuordnen, und im grossen und ganzen reicht das, um den inhalt eines gespraechs zu verstehen.

- das angebot an fleischlosem essen ist mau, das angebot an essen mit literweise oel ist allgegenwaertig (dazu s.u.)

- spanier sind zu laut. ich denke permanent, dass die leute streit haben. schlimm.


die von ihnen, die uns kennen, werden sich uebrigens wundern, wenn wir wieder da sind. wir werden naemlich stark abgemagert sein. irgendwie scheint es uns nicht zu gelingen, vernuenftige nahrung zu uns zu nehmen. so habe ich zb seit samstagmorgen folgendes gegessen: 100g reis mit gemuese, 3 croissants, 2 mal 1/2 bocadillo mit kaese und 1 miniteigtasche mit spinat. und thunfisch, der war nicht angekuendigt, aber thunfisch ist hier grundsaetzlich ueberall drin. das wars. und zudem steigen wir um die 1000 treppenstufen pro tag, ist ja aufm berg hier. meine hose ist schon ganz schlabberig. wenn das so weiter geht, habe ich am freitag, wenn wir an die costa brava fahren, eine fast-bikinifigur.

jetzt ritterburg.

nachtrag: herzbrechender stoerfaktor, den ich zu verdraengen versuche: die huendin, die auf einem stein vor unserem hof mit ihrem babyhund angekettet ist. babyhund lechzt nach aufmerksamkeit, huendin im umgang mit baby verhaltensgestoert. selbst der mann, ein erklaerter hundehasser, ueberlegte eben, ob es fuer oma und opa nicht auf allen ebenen gut sei, wenn wir einen babyhund mitbraechten... (keine panik, machen wir nicht!)
alles jedenfalls sehr traurig und vermiest mir morgens den start in den tag..

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Herzbruchens im Urlaub Teil 1
urlaubsziel numero uno: morella. irgendwo in den bergen, ohne irgendetwas zu tun. aber ist mir ja recht so. tu ich halt nix.

reise war im besten sinne interessant. der mann hatte ja insgesamt genau 2 aufgaben bezueglich des 15taegigen urlaubs: grossen koffer suchen und inspizieren, und gucken, wie man in duesseldorf ein anschlussticket an das regionale kauft, damit man bis koeln fahren kann. aufgabe 1: koffer zwar gefunden, dann aber leider fuer funktional erklaert. im zug dann die mitteilung, die rolle sei ja abgebrochen. stimmt. fiel mir dann auch wieder ein. letztes jahre in boston am buergersteig geschrottet. ich wollte ihn dann wegschmeissen, der mann wollte ihn behalten, man braucht den ja vielleicht nochmal. jetzt muss er halt schleppen. anschlussticket wollte er dann morgens um 6 am bahnhof klaeren, 5 min vor abfahrt. wir sind dann mal schwarzgefahren, macht reise wenigstens interessant.
und meine neue leidenschaft fuer familienreisen sind ja popelflughaefen. sonst fliege ich ja immer fremdbezahlt, und da hat man eher die route duesseldorf-barcelona. aber koeln-girona hat den grossen vorteil, dass kein einziger fussweg laenger als 3 minuten ist (ich weiss nicht, wo es war, vielleicht new york, wo ich in 10 minuten boarden musste und vor dem schild stand, das mir mitteilte, der fussweg zu gate 30-35 ab hier sei noch 30 minuten...), und menschenmengen, in denen man das kind verlieren koennte, gibt es auch einfach nicht. insgesamt war mein eindruck, dass morgens um 8 in koeln nur seniorengruppen nach las palmas fliegen. war mir ja sehr recht. ich kann mich auch gar nicht erinnern, dass wir uns irgendwo ernstzunehmend haetten ausweisen muessen...

fliegen findet das kind sehr unspektakulaer. es gab auch nur ein kleines stimmungstief, als wir ihn nicht schlafen lassen wollten, weil wir angst hatten, dass er sonst 1,5 liter apfelschorle in den sitz pieselt. auf dem rueckflug gibt es also eine unterlage. unser auto haette ein corsa sein sollen, ist aber ein skoda oktavia geworden, was uns sehr recht ist. so konnten wir direkt auch noch zwei aeltere damen, die ihre kreditkarte vergessen hatten und daher kein auto leihen durften, mitnehmen und an ihren bestimmungsort bringen. jeden tag eine gute tat, das gibt gutes urlaubskarma, dann hat man sogar in einem bergdorf-cafe wifi als belohnung.

notable momente des ersten reisetags: das radio im leihauto anschalten, und voreingestellt ist der sender "ona fm" (foto folgt und nomen est omen, musikgeschmack aehnlich schlecht wie ona kind), und die folgende autobahndiskussion:

mann: "kumma ona, da links ist das meer."
ona: "wo ist das meer?"
herzbruch: "da links hinten, hinter dem atomkraftwerk."

am freitag fahren wir dann ans richtige meer, das ohne atom.

(info fuer sabby: hat sich seit 98 nix geaendert. ueberall haengen schweinehaelften auf der strasse, der cortado ist grossartig, englisch ist gar keine option und die spanier sprechen einfach lauter, wenn man sie nicht versteht, alles, wirklich alles ist terracottafarben und mit der ankunft des mannes in dem bergdorf ist die anzahl der nichtrauchenden erwachsenen auf 1 gestiegen...)

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Samstag, 8. September 2012
Reisen
vor ein paar jahren habe ich nachts bis 1 uhr mit kollegen auf einem cafe-boot gesessen und bier getrunken, dann bin ich auf dem rad nach hause geschlenkert, habe zwei grosse koffer gepackt, habe mich hingelegt, und um 5 uhr kam das taxi, das mich zum flughafen brachte, zu dem flugzeug nach san francisco, wo ich dann erstmal fast ein jahr blieb. so einfach ging das. und als erfahrener vielflieger wusste ich: kreditkarte und reisepass, alles andere kann man im zweifelsfall nachkaufen.

vor ein paar stunden wurde ich wach und hatte eine immense panikattacke. die kulturtasche ist schon gepackt, aber war da jetzt fiebersaft drin? und der salzstreuer, der ist wichtig. dass ich mal mit einem salzstreuer in ein flugzeug steigen wuerde, haette ich auch nicht gedacht. und die einzige aufgabe, die der mann bei der organisation dieser reise hatte, war, den grossen koffer zu suchen. ich habe naemlich irgendwie noch im hinterkopf, dass wir den aus irgendeinem grund entsorgt hatten. oder auch nicht. seit einer woche macht der mann das theoretisch, jetzt laeuft in 5 minuten seine karenz ab. es bleibt spannend. finden herzbruchens den zweiten koffer? koennen wir dem kind noch erklaeren, dass der 1m-lange hai nicht mitkann? war der fiebersaft schon in der kulturtasche? und werden sie es schaffen, mit 3 koffern und einem kleinkind sonntagmorgen um 6 uhr mit dem oeffentlichen nahverkehr nach koeln-bonn zu kommen?

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