Dienstag, 11. Juni 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 29
stunde x, in der (und ich versuche, es so wenig pathetisch wie möglich zu formulieren) ich in der hand habe, ob die letzten 15 jahre für den arsch waren oder mein leben demnächst endlich das allerbeste leben der welt wird, rückt unaufhaltsam näher. und da ich noch ein paar mal an verschiedenen orten üben muss, habe ich soeben im zug einfach mal den vortrag geschrieben. und jetzt ist es ja so: ich habe viel übung, und vor menschenansammlungen sprechen ist eines meiner größeren talente (das klingt unbescheiden, ist aber ja so sehr teil meiner berufsbeschreibung, dass es ganz schlimm wäre, wenn ich das nicht gut könnte. chirurgen wären ja auch fehlbesetzt, wenn sie nicht gut operieren könnten). lange rede, kurzer sinn: ich habe gerade den vortrag geschrieben, und wenn ich es nicht werde, sondern ab oktober mal was ganz, ganz anderes mache, dann steige ich zumindest aus mit etwas, wo alles herzblut der letzten 15 jahre drinsteckt. und ich freu mich drauf.

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Montag, 10. Juni 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 28
meine geheime superpower ist ja regen machen. nun gut, dass man aus dem haus geht und es irgendwann regnet, das ist ja nicht ungewöhnlich. schon ungewöhnlicher war es, dass ich heute mit einem stockschirm ins büro fuhr. es ist nämlich so: in doch immerhin drei jahren hatte ich niemals einen schirm mit, wenngleich es sicherlich 2000 mal geregnet hat. jedes mal dachte ich dann, ich müsste mal so einen kleinen schirm in den koffer packen, doch erstens ist der natürlich schon eh recht voll mit unterhose 1, unterhose 2, schlafanzug, pulli, kleid, etc. etc., und zweitens ist es ja komplett unrealistisch, dass ich dann irgendwo im strömenden regen stehe und den koffer öffne, damit meine zu dem zeitpunkt eh schon nassen haare nicht noch nasser werden. die feuchtigkeitsersparnis macht der komplett getränkte kofferinhalt dann wieder wett.

gestern allerdings guckte ich auf wetter.de, und da hieß es, die regenwahrscheinlichkeit für den arbeitsort sei heute 98%. nun kenne ich mich in mathe und statistik ja sehr gut aus, also suchte ich einen schirm. kleiner schirm 1 war weg, kleiner schirm 2 war kaputt, blieben die stockschirme 1 - 3. einer von denen war dunkelblau, und da diese woche blaue woche ist (ich habe mehrere komplett durchkoordinierte bürooutfits in den farben dunkelblau, taupe (oder braun, würde ich sagen) und schwarz, und wenn ich nicht gerade kleid trage, muss ich mich auf eine farbe pro woche beschränken, sonst müsste ich zuviel packen, das ist lästig), entschied ich mich für den blauen riesenschirm.

ich muss es nicht extra erwähnen, sie wissen natürlich schon, dass es auf der hinreise mit handtasche, laptop, koffer und stockschirm nicht regnete. als ich dann eben im büro meine sachen zusammensuchte, um den zweitwohnsitz anzusteuern, überlegte ich ca. 3 minuten lang, ob ich den schirm nicht einfach dortlassen sollte, dann könnte ich wenigstens den rest der reise mit der gewohnten menge an gepäckstücken ablegen. und in dem moment wusste ich: ich kann regen machen. natürlich würde ich den schirm im büro lassen, und natürlich würde ich im strahlenden sonnenschein in die ubahn steigen, und natürlich würde ich im strömenden regen aussteigen. und dann hätte ich den beweis: meine superpower ist regen machen. (und so war es natürlich.)

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Sonntag, 9. Juni 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 27
wir befinden uns im jahre 1996. herzbruch und holländische freundin sind sich einig, dass die sprachwissenschaft wohl die interessantesten fragen der ganzen welt stellt und zu beantworten versucht und studieren das mit leidenschaft. die standard gemeinsam gehaltenen referate werden teils mit dem prädikat "sternstunden" bewertet, doch die vorbereitung ist auch schmerzhaft. bis das thesenpapier steht, wird gestritten wie die kesselflicker, doch ist einmal ein konsens erreicht, kann auch der renommierteste prof herzbruch und holländische freundin nicht mehr von gegenteiligen auffassungen überzeugen. nicht nur inhaltlich sind sich die beiden sehr ähnlich. auch vom typus sind sie eigentlich genau gleich. mit einem kleinen unterschied: während herzbruch sich abends auf der tanzfläche der sputnikhalle solange austobt, bis sie endlich mit dem dj noch ein bier trinken kann (lies: ach, egal), bringt holländische freundin kind 1 ins bett und brütet an kind 2, welches sie und ihr mann, den sie mit 22 geheiratet hat, erwarten. der mann ist beruflich immer weg, gerne auch mal ein ganzes jahr am stück, bis kind 2 irgendwann "papa" zu herzbruch sagt. das ist dann eben so.

eines tages laufen herzbruch, kind 1, holländische freundin und kind 2 im kinderwagen durch die stadt, als irgendwie herzbruchs fuß und der kinderwagen kollidieren. wie das so ist, wenn man viel mit kleinen kindern spricht, fragt holländische freundin erschrocken: "herttiii, heb je aua?" (herttii, (was so ein kind halt sagen kann, bleibt ja auch gerne die nächsten 40 jahre haften) hast du aua?"

wir befinden uns im jahre 2013. herzbruch und holländische freundin sind beide wissenschaftler geworden. hin und wieder arbeiten sie zusammen. zb heute. sie sitzen am großen holztisch, in der mitte eine packung after eight, eine cola light und eine ohne light. alle 20 minuten springen sie hektisch auf, gehen in den garten und rauchen. dann gehen sie wieder rein und streiten von vorne. das ganze dauert bis nach 0 uhr. alles, wirklich alles genau wie vor 15 jahren. doch dann fährt holländische freundin nach hause, das ist neu, sonst fuhr immer herzbruch nach hause. und auch nicht 5 minuten, sondern 90. bevor holländische freundin ins auto steigen kann, sagt herzbruch mit strenger miene: "ga nog even plassen, je zit straks lang in de auto!" (geh noch eben pipimachen, du sitzt gleich lange im auto) ein kurzer blick, und wir wissen bescheid. ich hab 15 jahre länger gebraucht, aber ich bin irgendwie auch da angekommen, wo man nicht mehr zwischen erwachsenen und kindern unterscheiden kann.

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