Mittwoch, 12. Juni 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 30
der vermutlich schlimmste, traumatisierendste und einschneidendste tag meines kompletten lebens war, äh, neulich irgendwann. an diesem ort ist es ja nicht so oft zur sprache gekommen, aber in meinen leben vor dem kind habe ich einen großteil ihrer steuergelder meines lohns für schuhwerk ausgegeben. mir ist einst ein koffer auf dem weg von boston nach hause abhanden gekommen (einer von zweien), und als ich angeben musste, was drin war, konnte ich ohne nachzudenken sagen: "8 paar pumps größe 39 und ein buch über prädikatenlogik". mein damaliger chef war sich sicher, dass dieser koffer eineindeutig einer person auf der ganzen welt zugeordnet werden könnte.

dann kam ja das kind, und mit ihm der birkenstock. nein, das ist natürlich übertrieben, doch hinterm kinderwagen hing ich in der regel in adidas samba. zu anlässen habe ich in der regel fluevogs bemüht, die allerdings auch oft sehr bequem geschnitten sind, sodass man erst nach einiger zeit schmerzen kriegt (oder nie, wenn man es gewöhnt ist, bin ich aber ja nicht mehr).

nach einem jahr kinderwagenschieben kaufte ich schuhe in größe 40, und da mein arbeitsplatz ja immer mit reisen verbunden ist, legte ich wert auf komfort. und dann ging ich ca. 3 jahre komfortabel arbeiten, und dann war neulich.

da stand ich nämlich mit frau n. im schuhladen und probierte mehrere schuhe in 40 an, und alle waren zu klein. der verdrängungsprozess setzte ein, denn ich kann ja jetzt nicht noch größere füße kriegen, dann passt ja in meinem doch recht großen repertoire nix mehr. und nun brauchte ich schwarze pumps. elegant, wenn nötig auch ein teueres modell. ich ließ mir welche schicken, 2 paar in 40, 2 paar in 41. die 40er habe ich nicht einmal ausgepackt, so groß sind meine clownfüße geworden. doch auch die 41er, teuer, bestens verarbeitet, von jemandem gemacht, der füße respektiert, sind sehr, wie soll ich es sagen, fußbetont. früher hatte ich einen hohen spann. heute habe ich einen breiten fuß.

mit der moralischen unterstützung des mannes holte ich eben ca. 10 paar hohe schuhe aus dem schrank und probierte sie an. zu klein. durch die bank. den rest des abends werde ich damit verbringen, herauszufinden, wie man fußvergrößerungen rückgängig machen kann. dann werde ich mich in den schlaf weinen, adidas samba und birkenstocks verteufeln, weil sie meine fußform ausgeleiert haben wie den beckenboden von frau von der leyen, und dann werde ich morgen darüber nachdenken, wie ich damit umgehen werde. vermutlich ist auch dies (bemerkte mein mann, nicht, ohne es mit "versteh mich jetzt nicht falsch, du bist ja noch sehr jung und hübsch" einzuleiten) ein alterungsprozess. so ähnlich wie die körperteile, die der schwerkraft erliegen. nur, dass nicht die schwerkraft zieht, sondern die masse drückt. ich jedenfalls verabschiede mich wieder einmal von einer lebensphase.

(und bevor sie mir jetzt alle emails schreiben: nein, die fluevogs passen alle noch, aber danke der nachfrage)

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Dienstag, 11. Juni 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 29
stunde x, in der (und ich versuche, es so wenig pathetisch wie möglich zu formulieren) ich in der hand habe, ob die letzten 15 jahre für den arsch waren oder mein leben demnächst endlich das allerbeste leben der welt wird, rückt unaufhaltsam näher. und da ich noch ein paar mal an verschiedenen orten üben muss, habe ich soeben im zug einfach mal den vortrag geschrieben. und jetzt ist es ja so: ich habe viel übung, und vor menschenansammlungen sprechen ist eines meiner größeren talente (das klingt unbescheiden, ist aber ja so sehr teil meiner berufsbeschreibung, dass es ganz schlimm wäre, wenn ich das nicht gut könnte. chirurgen wären ja auch fehlbesetzt, wenn sie nicht gut operieren könnten). lange rede, kurzer sinn: ich habe gerade den vortrag geschrieben, und wenn ich es nicht werde, sondern ab oktober mal was ganz, ganz anderes mache, dann steige ich zumindest aus mit etwas, wo alles herzblut der letzten 15 jahre drinsteckt. und ich freu mich drauf.

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Montag, 10. Juni 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 28
meine geheime superpower ist ja regen machen. nun gut, dass man aus dem haus geht und es irgendwann regnet, das ist ja nicht ungewöhnlich. schon ungewöhnlicher war es, dass ich heute mit einem stockschirm ins büro fuhr. es ist nämlich so: in doch immerhin drei jahren hatte ich niemals einen schirm mit, wenngleich es sicherlich 2000 mal geregnet hat. jedes mal dachte ich dann, ich müsste mal so einen kleinen schirm in den koffer packen, doch erstens ist der natürlich schon eh recht voll mit unterhose 1, unterhose 2, schlafanzug, pulli, kleid, etc. etc., und zweitens ist es ja komplett unrealistisch, dass ich dann irgendwo im strömenden regen stehe und den koffer öffne, damit meine zu dem zeitpunkt eh schon nassen haare nicht noch nasser werden. die feuchtigkeitsersparnis macht der komplett getränkte kofferinhalt dann wieder wett.

gestern allerdings guckte ich auf wetter.de, und da hieß es, die regenwahrscheinlichkeit für den arbeitsort sei heute 98%. nun kenne ich mich in mathe und statistik ja sehr gut aus, also suchte ich einen schirm. kleiner schirm 1 war weg, kleiner schirm 2 war kaputt, blieben die stockschirme 1 - 3. einer von denen war dunkelblau, und da diese woche blaue woche ist (ich habe mehrere komplett durchkoordinierte bürooutfits in den farben dunkelblau, taupe (oder braun, würde ich sagen) und schwarz, und wenn ich nicht gerade kleid trage, muss ich mich auf eine farbe pro woche beschränken, sonst müsste ich zuviel packen, das ist lästig), entschied ich mich für den blauen riesenschirm.

ich muss es nicht extra erwähnen, sie wissen natürlich schon, dass es auf der hinreise mit handtasche, laptop, koffer und stockschirm nicht regnete. als ich dann eben im büro meine sachen zusammensuchte, um den zweitwohnsitz anzusteuern, überlegte ich ca. 3 minuten lang, ob ich den schirm nicht einfach dortlassen sollte, dann könnte ich wenigstens den rest der reise mit der gewohnten menge an gepäckstücken ablegen. und in dem moment wusste ich: ich kann regen machen. natürlich würde ich den schirm im büro lassen, und natürlich würde ich im strahlenden sonnenschein in die ubahn steigen, und natürlich würde ich im strömenden regen aussteigen. und dann hätte ich den beweis: meine superpower ist regen machen. (und so war es natürlich.)

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