Montag, 9. Dezember 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 94
ob ich die 100 noch vollmachen kann, ist nicht gesichert, der liebe gatte ist nämlich eine weitere woche krankgeschrieben. ich leide natürlich sehr mit ihm mit, aber auch ein wenig für mich ganz allein.

und wo rohe kräfte sinnlos walten. feststellung mit 37: schwerkraft nimmt zu, sehkraft ab. ab heute trage ich offiziell brille, auch privat.

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Samstag, 7. Dezember 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 93
wie sie ja wissen, sind wir vor genau einem jahr und einer woche aus dem rotlichtmilieu in die bourgeoisie gezogen. ein randgebiet der stadt, welches sich durch gutbürgerlichkeit, große grundstücke und eine unüberschaubare anzahl von senioren, die alle ihre hecke besonders akkurat geschnitten haben, auszeichnet. ich will mich nicht beklagen, die infrastruktur ist bestens, unser haus ist schön, und die probleme, die man mit dem 103-jährigen zierrasenfetisch-nachbarn hat, sind deutlich geringer und zeitlich wohl überschaubarer als die mit den zuhältern, mit denen wir zuvor zu tun hatten. die schule für den nachwuchs steht schon fest, den flughafen können wir zu fuß erreichen aber nicht hören, etc. alles gut. alles gut?

nein. unser ort mit den dörflichen strukturen nimmt zugezogene zwar auf, doch immer wieder werden uns die annehmlichkeiten der alteingesessenen verwehrt. bislang war mein lieblingsbeispiel der metzger. es gibt hier einen metzger, der in fast allen bevölkerungsschichten sehr angesagt ist. demnach stehen immer zwischen 6 und 8 fleischereifachverkäuferinnen hinter der theke, allerdings stehen auch 35 bis 40 kunden davor. der laden ist klein, also steht man grundsätzlich in viererreihen im laden. bedient wird streng nach dem senioritätsprinzip. erst die ganz alten alteingesessenen, dann die jüngeren alteingesessenen, dann der schützenverein, dann die zugezogenen. das beobachtete ich einige zeit mit leichtem unmut, dann, vielleicht im märz oder april, kam eine alte dame ca. 10 leute nach mir rein, wurde allerdings vor mir aufgerufen. namentlich. ich hatte das kind im auto im halteverbot sitzen, wollte also gerne vor frau krause bedient werden, da ich ja mindestens schon 10 minuten länger als frau krause wartete. also beugte ich mich leicht nach vorne und sagte: "entschuldigung, ich war vor frau krause an der reihe." dann passierte folgendes: die fleischereifachverkäuferinnen, alle auch im seniorenalter und sehr resolut, erstarrten allesamt für ein paar sekunden, dann stieg ein leichter schwefelgeruch auf, dann beschwerte sich frau krause, dann lächelte ich nett und blieb beharrlich, und dann wurde ich bedient. jetzt weiß ich nicht, ob es einen kausalzusammenhang zwischen dem vorfall und der tatsache, dass ich immer keine grillwürstchen bekomme, gibt, doch de facto bekomme ich immer keine grillwürstchen. die saison ist ja zum glück vorbei, doch im sommer passierte es regelmäßig, dass ich samstags um 13 uhr 10 grillwürstchen kaufen wollte, und dann waren die aus, während die senioren neben mir 1 grillwürstchen kaufen wollten, woraufhin die bedienung sich leicht nach vorne lehnte und flüsterte: "ich hol ihnen eben eins von hinten."

soweit zu unserem dorfmetzger. da schicke ich jetzt immer den mann hin, damit ich mich nicht ärgern muss, außerdem überragt der die senioren ja um mehrere köpfe und kann so alles gut im blick behalten. heute musste ich allerdings einmal beim metzger um die ecke, in die apotheke. der mann ist ja krank und muss ausreichend mit medizinalprodukten versorgt sein. ich kam rein, an der theke standen 2 angestellte und eine kundin, typ seniorin. sie kaufte dinge im wert von rund 3 euro, ich kaufte dinge für über 20 euro. dann sagte der nette junge apotheker zu der seniorin: "frau lorenz, gestern kam ja der nikolaus zu uns und hat für unsere kunden etwas dagelassen", drehte sich um, verschwand kurz und kam mit einer großen hand voller lindor zurück. ich beendete die transaktion, die apothekerin fragte: "wollen sie eine tüte?", ich verneinte und verließ mit medizinalprodukten und ohne schoko den laden.

kunde in unterrath. wäre ich sozialwissenschaftler, könnte ich da jetzt zu arbeiten. gibt es einen betrag, ab dem man kunde ist? oder sind es nur die jahre? und wenn ja, welche? lebensjahre oder ansiedelungsjahre? ganz egal wie dem auch sei, ich habe die hoffnung, dass ich in spätestens 30 jahren grillwürstchen kaufen kann. dann sind wir richtig angekommen.

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Donnerstag, 5. Dezember 2013
Nicht-Tagebuchbloggen: 92
ich wollte sie noch in eine ganz neue kategorie nerd eingeführt gehabt haben (rheinischer konjunktiv). kennen sie den lego-nerd? ich kenne den ja jetzt sehr genau, denn der erwachsene mann, mit dem ich bis vor kurzem noch zusammenlebte, ist leider mit auspacken der zwei siebziger-jahre-legokisten mutiert und sitzt seitdem auf dem boden und macht "tschuutschuuuuuu".

schwierig ist, dass mann und kind völlig unterschiedliche anforderungen an das legospiel haben. das kind möchte gerne etwas bauen, gerne auch nach anleitung, mindestens genauso gerne aber auch frei. ich stufe das als positiv ein, zeugt es ja von einer gewissen kreativität, wenn man sich muster für hauswände überlegen kann. der mann hingegen möchte gerne, dass dinge so aufgebaut werden, wie sie 1978 auf der umverpackung des lego-bahnhofsets abgebildet waren. im besitz dieser umverpackung sind wir leider nicht, also sind wir auf sein erinnerungsvermögen angewiesen (welches in diesem fall sogar mal funktioniert. auf die frage "wo ist die küchenschere" habe ich in den letzten jahren ja kein einziges mal eine zufriedenstellende antwort bekommen!). so sitzen sie also nebeneinander, das kind möchte die dampflok bauen, der mann maßregelt, dass man keine roten steine nehmen dürfe, die original-dampflok von 1978 sei schwarz. ich habe an ona noch kein interesse an originalzuständen feststellen können.

jetzt gab es ein problem. die lego-eisenbahn von 1978 ist zwar nur ca. 1/8. so groß (oder cool) wie die 300-euro holzeisenbahn, die bis dato ja sehr gerne bespielt wurde, doch mein mann hat dem kind sehr gut erklärt, dass richtig coole leute uralt-legoeisenbahn spielen, nicht holzeisenbahn. die erweiterung um mehrere züge im dreistelligen bereich konnte ich mit einem kleinen wutanfall abwenden, ebenso wie die idee meines mannes, wir könnten doch einige möbelstücke aus dem wohnzimmer entfernen, dann könnten wir besser laufen, wenn in zukunft die eisenbahn ja immer dort steht. hier habe ich einfach fakten geschaffen und sie mit dem besen abgebaut, in die kiste gefegt und ins kinderzimmer getragen. das kinderzimmer scheint mir genau der richtige ort zu sein für eine eisenbahn.

knackpunkt blieb der fehlende trafo. mein mann findet internet und jede form von "medien" (whatever that may be) ja schlecht, doch wenn man einen alten legotrafo sucht, kann man sogar plötzlich googlen. dann ereignete sich folgende szene. das kind war im kindergarten, ich saß im wohnzimmer und nähte ein geschenk, der mann googlete. dann fand er den originaltrafo für 20 euro. ungefähr folgender dialog, um unser aller zeit zu schonen, gebe ich ihn nur einmal wieder, er ereignete sich allerdings viermal.

mann: "boah, hier ist der trafo. bei dingsbums kleinanzeigen. für nur 20 euro!"
herzbruch: "gut, kauf."
m: "stell dir mal vor, ich hätte den. dann könnten wir die ..."
h: "kauf!"
m: "und das ist genau der gleiche, den wir damals zu weihnachten"
h: "kauf!"
m: "mensch, der oni würde sich bestimmt auch total"
h: "kauf."
m: "hättest du was dagegen, wenn ich den kaufen würde? das wäre dann mein geschenk für den oni, eine eisenbahn, die von selbst fahren"
h: "KAUF!"

(repeat four times)

m: "ich hab jetzt eine mail dahin geschrieben."

(telefon schellt).

m: "herzbruch? aaah, das ging aber schnell. ja, ich habe meine alte bahn aufgebaut, mein sohn ist 4, und der trafo fehlte. ... ja. ......... ja. ..............ja. ........... ja. ............. aha. ..............ach so. .......... nee klar. ..........ach, das ist ja interessant. ........ "

45 minuten. 45 minuten lang machte der mann aaah und oooh, ja, toll achso, etc., ohne auch nur jemals mit einem wort ein gespräch eröffnet zu haben. am anderen ende der leitung war ein höhergradiger lego-nerd, der seinen trafo nicht einfach so irgendwem schicken wollte, der am ende nicht einmal weiß, mit welchem trick man die schienen wieder besonders sauber bekommt.

nun war ich ja mehrmals anwesend, wenn frau n. mit menschen telefonierte, von denen sie gerne eine katze bekommen hätte, und das ist ja heutzutage schwieriger als die adoption eines säuglings, spielt aber in einer liga mit lego. was die menschen alles wissen wollen. ich wäre kein bisschen überrascht gewesen, hätte mein mann irgendwann gesagt: "kein problem, unsere gehaltsnachweise faxe ich ihnen. brauchen sie die empfehlungsschreiben im original?"

der trafo ist inzwischen da, und der lego-nerd hat noch ein bisschen kleinscheiß (inklusive motivsocken für den mann, aber da sind wir noch nicht) eingepackt. und mein mann ist schon ganz aufgeregt, weil er auch noch die bauanleitung für den bahnhof gefunden hat, und jetzt schenkt er dem kind einen bahnhof nach original bauplan aufgebaut und eine eisenbahn, die selber fährt. meine vermutung ist, dass der bahnhof nicht gewürdigt werden wird.

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