Freitag, 18. Februar 2022
Sensationell/Wie 42
Ich bin da noch nicht. Zum dritten Mal seit ich zu Beginn der Pandemie beschlossen hatte, die Haare stolz grau zu tragen, habe ich sie doch wieder gefärbt.

Es ist nämlich nicht so, dass ich meine Haare nicht mehr färben wollte, weil ich mich mit meinem grauen Strähnen so ansprechend finde. Viel mehr ist es ein logistisches Problem. Meine Haare wachsen sehr schnell, absurd schnell, so schnell, dass Friseure immer sehr strafend gucken, weil irgendwelche Stufen schon wieder rausgewachsen sind, und im Prinzip ist das total super. Im Studium konnte ich die wildesten Färbeexperimente machen, als Raucherin bestand streckenweise die Gefahr, dass ich irgendwann einfach in Flammen aufgehe, und ich saß mal beim Friseur, der fragte: ?Pflegen Sie Ihre Haare??, da lache ich heute noch drüber, aber insgesamt war das nie ein Problem, da ich ja immer einfach die Spitzen schneiden oder alternativ, wenn ich zu wild gefärbt hatte, wieder auf 12mm stutzen konnte, aber die Zeiten sind vorbei. Der letzte Versuch, einen harten Reboot mit der Tondeuse zu machen, endete in dem legendären Satz der Gemüsefrau, Sie können ihn alle mitsingen: Hast du Mann, hast du Kind, brauchst du keine Frisur mehr.

Jetzt brauche ich wieder Frisur, und das Loch am Hinterkopf wächst langsam wieder zu, und dann war plötzlich der Moment wieder gekommen. Das altersbedingte Problem mit der Lesebrille habe ich durch lange Suche hervorragend gelöst, und der Anblick gefiel mir besser als alles, was ich in den letzten Jahren im Spiegel gesehen habe, und so fasste ich einen sehr schnellen Entschluss und färbte meine Haare wieder zurück auf Mitte 30. Die Reaktionen auf die neue Frisur changierten zwischen ?sensationell? und ?du siehst jetzt aus wie 42?, ich habe beschlossen, die Rosinen rauszupicken und zu denken, dass ich sensationell aussehe. Wenn das Loch soweit zugewachsen ist, dass die Kopfhaut nicht mehr zu sehen ist, gibt es einen neuen Schnitt, im Moment trage ich nach wie vor nur Zopf, und dann kann ich das optische Alter vielleicht noch auf 41 runterschrauben.

Der Grund, warum ich eigentlich nicht mehr färben wollte, ist übrigens, dass ich nichts unansprechender finde als Menschen mit dunklen Haaren und einem grauen Ansatz. Wenn Sie gut aufgepasst haben, sehen Sie jetzt das Problem: Bei Haaren, die absurd schnell wachsen, ist das ja nächste Woche schon wieder der Fall. Aber dann bin ich nächste Woche halt unzufrieden. Heute bin ich sensationell.

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Mittwoch, 9. Februar 2022
SO CLOSE
Ich bewege mich ja in so einer Welt, in der jeder Mensch, den ich kenne, dreimal geimpft ist. Also gegen Corona. Windpocken sind mir egal, ich bin immun. Der Corona-Impfstatus interessiert mich, und faktisch ist es ja sowieso so, dass wir seit etwa einem Jahr alle miteinander über nichts anderes mehr sprechen. Ich kenne die nackten Oberarme aller Leute in Deutschland, denke ich. Aus beruflichen Gründen kenne ich mich mit der Impfung gegen COVID-19 ganz hervorragend aus, ich habe permanent alle Zahlen und alle politischen "Entscheidungen" parat. Langweilig, aber irgendwas muss man ja machen.

Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, ist das Inventarisieren aller möglichen Dinge im Themengebiet "Pandemie" und "Politik" eine tagesfüllende Aufgabe, und da meine Freizeit knapp und heilig ist, hatte ich 2010, als ich drei Tage die Woche bei Frau N wohnte und viel arbeitete, entschieden, einige zeitaufwändige Gewerke auszulagern. Putzen zum Beispiel. Kill your darlings. Die Hilfe, die ich fand, war sehr nett, aber dann zog ich 2015 um und dann hatte sie nicht mehr so viel Lust, man trennte sich einvernehmlich.

Ich kürze ab. Wie Sie aus diversen Adventskalenderpodcasts wissen, habe ich keine Ahnung, was seitdem geschah, und Frau N hat die Ahnung, dass vermutlich einfach nichts geschah. Statt öfter zu putzen (ich putze nach wie vor nicht, da ich das lieber outsourcen wollen würde, Herr H. wollte nicht outsourcen, und das Gesetz sagt, dass man dann halt machen muss) kaufte ich einen barrierearmen weil kabellosen Staubsauger und Möbel, die quasi nur noch eine große Fläche hergeben. Bad läuft irgendwo zwischen "selbstreinigend" (hallo? Wasser und Seife den ganzen Tag!) und "oh, Oma kommt, schnell die Armaturen polieren", aber alles in allem sehnte ich mich zurück nach diesem guten Gefühl, wenn man nicht ständig denkt "hier könnte auch mal wieder", sondern einfach einmal in der Woche alles schön ist, damit man es dann die nächsten sechs Tage wieder runterwohnen kann. Das geht ja schnell in so einem tierintensiven Haushalt.

Ich wollte ja abkürzen. Vor einiger Zeit hatte ich beschlossen, dass die Situation angepasst werden muss, dann habe ich aufgeschoben, und letzte Woche habe ich auf ein Inserat geantwortet. Eine Dame, die sich heute vorstellen wollen würde. Es ging ganz einfach. Es gab ein Inserat, ich antwortete auf das Inserat. Sie klingelte exakt zur vereinbarten Uhrzeit, was ich toll fand. Ich arbeite in einer Welt, in der man exakt dann anruft, wann man sich zum telefonieren verabredet hat. Nicht drei Minuten später, sonst schreibt man eine kurze Nachricht, und ganz bestimmt nicht drei Minuten früher. Nun gut, sie klingelte in der perfekten Minute, war sehr nett, verstand sich sofort gut mit dem Hund, sogar der Kater stand aus dem Körbchen auf und setzte sich auf seinen Motzethron, um hallo zu sagen, wir sprachen über die Aufgaben, sie guckte sich alles an, wir sprachen über den Vertrag, man war sich sofort einig, wir sprachen über den Tag, an dem sie kommt, gerne donnerstags, ach echt, perfekt, Donnerstag wäre mein präferierter Tag, wir sprachen über die Reihenfolge, damit das Kinderzimmer gesaugt ist, wenn das Kind nach Hause kommt, sie machte einen Vorschlag, der war klug, und dann rief Herr H. aus der Küche: "Ach so, und natürlich noch: Sie sind geimpft, richtig?"- "Äääh, nein."

Ich habe sie verabschiedet, wirklich schweren Herzens. Ich habe sogar noch gefragt, ob ich dazu etwas sagen dürfte, ich sei ja Doktor (nicht gelogen, ich BIN ja Doktor, Rest tut nix zur Sache). Ich hätte Verständnis, dass man Angst vor Spritzen habe... ach egal. Sie können sich vorstellen, was ich gesagt habe, Sie sind ja alle klug. Seit 2 Jahren treffe ich meine Freunde gar nicht oder eine kleine Auswahl nur noch ganz umständlich. Meine Familie habe ich 1,5 Jahre gar nicht gesehen. Wie sagte eine Freundin gerade? Ich hole mir nicht Patient Zero ins Haus und zahl da noch für. Ich möchte mir um mich und auch um meine Hilfe keine Sorgen machen müssen. Und jetzt muss ich mal nach Herrn H. gucken gehen, der liegt noch in stabiler Seitenlage in der Küche.

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Freitag, 4. Februar 2022
Weekender
Hoch die Hände, Wochenende (strenger Blick in Richtung Norden, Herr Buddenbohm, auch für Sie!). Ich habe diese Woche operativ sehr zielstrebig Sachen abgearbeitet, alles "Terminsachen", und nebenher emotional sehr anstrengende berufliche Entscheidungen vorangetrieben, das wird eventuell noch sehr, sehr schlimm, jetzt ist aber erst mal alles unschlimm, und wie das hier ja immer ist: Am Ende wird alles sehr gut ausgehen, und jetzt ist ja wie gesagt erst mal Wochenende.

Also sitze ich auf dem Sofa und mache Freizeit, zusammen mit meinem Kind. Wir gucken zusammen Fernsehen, jede*r mit mindestens zwei Endgeräten. Erst haben wir den Presseclub von Sonntag geguckt, dann das Phoenix Gespräch mit Bärbel Bas, und jetzt noch fix die Bundespressekonferenz von vorgestern, und dann habe ich so viel Entertainment erlebt, dass ich schlafen gehen kann.

Sie werden sich fragen, wieso ein Dreizehnjähriger mit seiner Mutter Presseclub, Interview mit der Bundestagspräsidentin und die Bundespressekonferenz guckt, und die Antwort ist einfach: Weil er es kann. Mein totaler Geheimtipp für zukünftige Eltern: Schaffen Sie bitte sofort den Fernseher ab, dann wird Ihnen viel Leid erspart. Natürlich guckt Ona all das, was ich gar nicht sinnvoll finde, auf einem IPad in seinem Zimmer, er ist vollständig informiert über alle Gangsterrapper der Welt, es ist alles in Ordnung, keine Entwicklungsauffälligkeiten. Da er aber das System "die Familie schaut fern" nie kennenlernen durfte und wie so ein ganz normales Kind immer davon träumte, macht er das jetzt natürlich mit großer Begeisterung. Und da meine Begeisterung für alles Disney exakt Null ist und er auch gelernt hat, dass ich ungern Dinge gegen meinen Willen tue, haben wir uns still und unausgesprochen darauf geeinigt, dass es eine kleine, wirklich kleine Schnittmenge an Dingen gibt, die wir wirklich zusammen gucken können, dazu gehört an Weihnachtsfeiertagen zum Beispiel das Traumschiff, aber nur mit dem alten Kapitän, oder heute abend, da gucken wir zusammen den Polizeiruf 110 vom letzten Sonntag, da der neue Kommissar, Andre Kaczmarczyk, ja unser gemeinsamer Lieblingsdarsteller vom Schauspielhaus ist (den Sandmann haben wir neulich coronabedingt abgesagt, Künstlers, mit denen wir hingegangen wären, haben den vorher schon zweimal gesehen und fanden ihn noch besser als Das Rheingold, was natürlich eigentlich nicht sein kann, aber bitte, ich hätte mich überzeugt und will mal ganz schwer hoffen, dass unter den 12 Leser*innen dieses Blogs auch jemand vom Düsseldorfer Schauspielhaus ist, und sollte das so sein: Ona und ich wollen den Sandmann noch sehen, es wäre wirklich praktisch, wenn der zum Beispiel im Sommer noch mal aufgeführt würde, danke), naja, jedenfalls: Wenn wir zusammen fernsehen wollen, dann wäre es mir sehr recht, wenn wir die Bundespressekonferenz gucken, und da das Kind ja eh Fifa spielt, ist das eigentlich auch sowieso egal. Wenn er sich Extraaufbleibezeit erschleichen möchte, sagt er: "Mama, sollen wir zusammen Tagesthemen gucken?" Meine Prognose für 2041: Ona wird Bundeskanzler, und sein erster Satz nach der Wahl wird sein: "Yo Digger, was geht?"

Hin und wieder - er hört natürlich dennoch zu - kommen dann Fragen, wenn man zusammen fernsieht, und obwohl ich heute eigentlich einen bösen Blogeintrag zum Thema Medienkritik in mir aufkeimen fühlte, möchte ich lieber kurz diese einmal inventarisieren:

1) Haben die nen Arsch auf?

Die anderen Fragen habe ich doch zensiert. Und die Alternative zur BPK ist ja das Dschungelcamp. Da muss man ehrlich mit umgehen.

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Mittwoch, 26. Januar 2022
Story of my life
Ein wiederkehrendes Element in meinem Leben ist ja, dass ich lange Zeit entweder hinter etwas her hechele, um es dann zu erreichen und festzustellen: Oh, doof (Jobs, Männer), oder dass ich monatelang in meinem Kopf irgendetwas plane oder es im Internet recherchiere, um es dann bis ins letzte Detail durchgedacht umzusetzen, dann eine Woche etwa total glücklich zu sein und dann geht alles kaputt oder ist schlecht. Warum das so ist, ist mir nicht klar. Vielleicht gibt es ja doch einen Gott und er ist mit meiner Kirchenperformance unzufrieden.

Neulich kaufte ich ja ein neues Wohnzimmer, Sie erinnern sich, es kam zur Sprache. Das hatte ich jahrelang durchdacht und geplant, aus verschiedenen Gründen aber nie exekutiert. Dann war alles endlich recherchiert, gefunden, gemessen, bestellt und aufgebaut, und zu guter Letzt wurde ich sogar ein Mensch, der einen Fernseher hat, und für vier Wochen konnte ich mir ein Leben ohne all dies nicht mehr vorstellen. Wie konnte ich jemals ein Mensch ohne Fernseher sein? Nun bin ich natürlich immer noch ein Mensch ohne Fernsehanschluss, das muss sich aber auch nicht ändern, da ich ausschließlich die ARD und ZDF Mediatheken nutze, und ein bisschen YouTube und ein bisschen Netflix, das aber sogar eher im Bett auf dem IPad, aber der Gewöhnungseffekt, wenn man einmal Karl Lauterbach gestochen scharf auf 65 Zoll gesehen hat, ist immens.

Am Wochenende hatte ich Besuch aus - sagen wir mal - der erweiterten Unterhaltungsbranche. Und zack, guckt man Dschungelcamp, es gibt da eine App, dann kann man für 5 Euro im Monat Dschungelcamp gucken. Das Kind war begeistert, es guckt sonst Bundespressekonferenz oder Tagesthemen oder, an Sonn- und Feiertagen, Harry Potter. Die App funktionierte aber nicht gut, alle paar Sekunden erschien ein Lügenbalken mitten auf dem Bild, dass die Internetverbindung verloren sei, sie war aber gar nicht verloren, um den Lügenbalken zu entfernen musste aber jedes Mal der Fernseher ausgemacht werden. Neustart Router, Neustart Fernseher, gleiches Problem. Nachdem der Besuch am Montag abgereist war, wurde die schlechte Lügenapp wieder ausrangiert und ich guckte eine politische Talkshow in einer der öffentlich rechtlichen Mediatheken. Zack. Lügenbalken. Dann guckte ich eine politische Talkshow in der anderen öffentlich rechtlichen Mediathek. Zack. Lügenbalken. Neustart, Lügenbalken. Ich war erschüttert. Andere Apps funktionierten noch, vom Laptop auf den Fernseher spiegeln auch, das schloss aber gleichzeitiges Gucken und Arbeiten aus. Also recherchierte ich, stellte dann fest, dass es wohl mit einem Update der Fernsehertechnik zu tun hat, dass ganz viele Menschen ARD, ZDF und RTL+ nicht mehr über die Apps gucken können und dass man nun hoffe, dass der Hersteller das schnell reparierte, und dann war ich sehr traurig, weil einfach für ein paar Wochen alles sehr sehr schön war, und jetzt hab ich da so ein Riesentrumm hängen und kann damit höchstens die Biene Maja gucken.

Das zweite Feld, das ich von langer Hand geplant und neugestaltet hatte, war ja meine Bettwäschesituation. Auch da: Lange überlegt, recherchiert, dann einem Hinweis gefolgt, schockverliebt, viele hübsche gemusterte Dinge gekauft und dabei gegen ein persönliches Lebensmotto verstoßen. Meine Eltern pflegten zu sagen: Wer billig kauft, kauft oft, und seit ich in der Situation bin, das entscheiden zu können, achte ich sehr auf Qualität und bin damit hervorragend zufrieden. Ich bin ja insgesamt nicht sehr offen für Abwechslung, also möchte ich nicht viel oder oft kaufen, dafür aber gerne so, dass ich vollumfänglich zufrieden bin. Bei der Bettwäsche war ich kurz abgelenkt von den hübschen Mustern und den guten Marketingfotos und kaufte günstig, dafür mehr, und soeben habe ich mein Bettlaken gewechselt, weil Schnitt oder Gummizug, ich weiß es nicht genau, von dem wirklich atemberaubend hübschen günstigen Laken so schlecht sind, dass ich jeden Morgen aufwache in einer Situation, die im besten Fall an ein Foto von Anne Geddes erinnert. Die schlafende Frau in einer Erbsenschote. Jede Nacht lösen sich die Verbindungen von Ecken und Laken, und dann rollt sich alles um mich rum, und morgens wache ich auf und das Bettlaken hat exakt die Form von mir (schlafend) eingenommen. Das macht mich äußerst unzufrieden. Also habe ich gerade ein einfarbiges hellblaues Laken aufgezogen, morgen wird alles da sein, wo es jetzt in diesem Moment ist, ich werde die beiden gemusterten Bettlaken vermutlich ein Jahr in der Bettlakenschublade liegen haben (weil: Sie sind ja so schön), dann werde ich sie irgendwo im Wohnzimmerregal hinter eine Schranktür legen (weil: Ich könnte ja Kissenbezüge daraus nähen), und nach einem weiteren Jahr werde ich entweder dieses Fach im Schrank für verloren erklären, oder ich werde sie zum Kaufhaus der Diakonie bringen, wobei sich das falsch anfühlt, weil sich dann andere Menschen immer ärgern müssten. Und das ist ja auch nicht in Ordnung. Andererseits: Ich hab ja noch zwei Jahre Zeit, einen Plan zu machen.

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Donnerstag, 20. Januar 2022
Fast Car
Soeben wurde ich von zwei 70Jährigen in einem Smart for Two (das ist ja der Traum, irgendwann im Alter mit dem For Two zum Aldi, im Elektrosmart, da muss ich aber nachjustieren, Herr H würde da längentechnisch nicht reinpassen, aber ich bin ja dran) gerettet. Ich hatte mir das alles sehr schlau überlegt, ich muss nämlich irgendwann dieses Ladethema bearbeiten. Ich habe vor Monaten eine Ladekarte von den Stadtwerken bestellt, das war aber leider vor dem Regal, also ist die erstmal weg jetzt. Dann war ja der ursprüngliche Plan sowieso, dass jemand kommt, für mich entscheidet, auf welches der beiden verfügbaren Dächer, Küche oder Gartenhaus, man gut Photovoltaik bauen kann, dann wird Photovoltaik gebaut, es gibt eine Wallbox im Garten und ich miete den Parkplatz im Hinterhof der Nachbarn, weil ja die Rhythmustherapeutin ausgezogen ist, und dann kann ich einfach den Stecker über den Zaun legen und immer mit dem Strom vom Dach das Auto tanken. Die Aufgabe der Recherche und Dienstleistersteuerung habe ich an den hier ansässigen Umweltwissenschaftler abgegeben, im Januar 2021, der Rest ist jetzt erst mal egal. Vielleicht mach ich das einfach selbst. Jedenfalls ist die Batterie leer, und es gibt auch noch gar keine Photovoltaikanlage auf dem Dach, was insofern nicht so dramatisch ist, da das Auto ja auch mit Benzin fährt, aber ich will und muss ja gar nicht mit Benzin fahren, ich müsste jetzt einmal das Ding voll kriegen, dann könnte ich mir ein System überlegen. Für 5 km Reichweite fuhr ich also heute extra zu Aldi, als ich ankam, war die eine Ladestation besetzt, an der anderen standen Einkaufswagen, und meine wirklich gut begründete Vermutung ist, dass die da immer stehen, ist ja auch praktisch, so ein Ort, zack, Kette dran gemacht und schon stehen da Einkaufswagen... egal, ich sehe aber schon jetzt, dass ich das mit der Wallbox zuhause sehr schnell weitertreiben muss, sonst ärgere ich mich ja bei jedem Einkauf, und zurecht. Ich kaufte also ein, ohne zu laden, kam dann raus, dann war das andere Auto weg, daneben stand ein kleiner Smart und lud, aber das Ding hat ja 2 Anschlüsse, also parkte ich und dachte, ich könne ja ein bisschen Zeitung lesen und noch laden, bis ich das Kind vom Training abholen muss. ich fand die Stecker ein bisschen schwergängig, da ich - das lernte ich später - alles falschrum machte, dann lud das Auto wirklich wenig Strom in wirklich langer Zeit, dann wollte ich losfahren und machte den Motor an, dann fiel mir ein, dass ich nicht losfahren kann (man hört nicht, dass der Motor an ist, ich bin jedes Mal erstaunt, dass man losfahren kann), da ich an der Ladesäule hänge, dann riss ich den Stecker erst an der Säule unter größtem Krafteinsatz ab, dann wollte ich den Stecker am Auto lösen, und dann ging das nicht.

Das erste, was Menschen wie ich dann machen, ist Twittern. Das zweite ist, die Bedienungsanleitung in dem Ladekabel-Reisekoffer zu lesen, die war zwar dick, hatte aber eigentlich nur einen QR Code, der auf eine schlechte Webseite führte, wo man ein PDF laden konnte, in dem auf Seite 61 stand: Zum Abkoppeln entfernen Sie den Stecker. Das war nicht hilfreich, das hätte ich nämlich auch so gewusst, dann schloss ich das Auto auf und zu und auf und zu, nichts funktionierte, und dann kamen die Senioren mit dem Smart und sagten: "Sie brauchen Hilfe, richtig?" Und dann halfen sie. Ich hatte irgendwie bewirkt, dass alles sehr schwierig war, ich weiß aber jetzt, wie alles einfach wird und habe sogar eine Eselsbrücke mitbekommen: ASSA. Auto - Säule - Säule - Auto. Stöpselreihenfolge. Hatte ich in beiden Runden genau andersrum gemacht, war falsch. Gut. Das weiß ich jetzt. Gegen Ende, ich war sehr dankbar und entsprechend zutraulich, sagte die Dame: "Ich kenne Ihre Stimme irgendwoher, ich weiß aber nicht, woher. Hmmmm. Machen Sie einen Podcast?" Ich sagte nein, wir verabschiedeten uns, wünschten allzeit gute Fahrt und fuhren los. Sollten Sie hier lesen: Vielen Dank, das war wirklich nett. Und eine kleine Notlüge ist okay.

Ansonsten sei über das Auto gesagt, dass es in etwa so ist, wie ich es mir vorgestellt habe, ich bin ja 2016 bis 2019 schon mal einen A3 gefahren, Baujahr 2016. Aber jetzt möchte ich, ganz entgegen meiner üblichen Gewohnheit, mal ich Stereotypen und Sexismen sprechen, und zwar deshalb, weil ich an der Stelle so denke: Den 2016er Audi habe ich sehr geliebt, das Auto ist nicht zu groß, nicht zu klein, man kann sehr überzeugend mit einem schlafenden Kind auf der Rückwand gegen ein Wildschwein fahren und dennoch ist alles fast gut, das Auto fügte sich gut um mich herum. Und innen fand ich alles schön. Besonders schön fand ich die Lüftungsschlitze, die waren ganz rund und mit einem schönen silbernen Ring drum. Insgesamt war alles total rund. Und sanft, und hochwertig, und schön. Kurzum: Ein Frauenauto. Das ergab in meinem Kopf viel Sinn, die Größe ist ja quasi der Golf von Audi, das ist häufig ein Frauenauto. Wobei es ja auch Männer geben soll, die schönes Produktdesign zu schätzen wissen.

Der neue Wagen ist ein Männerauto. Alles innendrin ist kantig und eckig und albern, das Cockpit soll vielleicht suggerieren, dass man gleich damit zur ISS fliegt, ich muss aber höchstwahrscheinlich zum Aldi und zur Sporthalle, da brauche ich diese brachiale Weltraumoptik nicht. Aber gut. Es ist nämlich leider, das muss ich ganz selbstkritisch sagen, nicht so, dass ich auf solche Dinge nicht auch manchmal reinfalle. Unter uns gesprochen fiel die Entscheidung, Volvo zu fahren, in Teilen 2019 auch so aus, weil die Scheinwerfer den (für mich) hocherotischen Namen "Thors Hammer" trugen, das sprach mich exakt da an, wo ich ansprechbar bin. Und das Schöne daran ist ja sowieso, dass ich das in einer Woche nicht mehr sehe, der Rest von dem Auto ist nämlich wie immer. Gut, jetzt gibt es noch mehr Info im digitalen Display, ich denke, Audi braucht da mal etwas Beratung, die wenigsten Menschen können alle Daten über das Auto, die Menschheit und das Universum auf einen Blick erfassen, aber wenn mir mal langweilig ist, kann ich das bestimmt personalisieren, und dann ist auch wieder alles gut. Einparken kann das Auto ganz alleine, daran habe ich jetzt vermutlich eine Woche Spaß, ich kann allerdings auch gut einparken, daher besteht an der Stelle für mich keine Notwendigkeit. Viel mehr gefreut hätte ich mich über einen Auspark-Autopiloten. Seit 1994 leide ich unter der Tatsache, dass ich in die allerkleinste Parklücke reinkomme, dann aber hinterher nicht wieder raus. Ausparken habe ich in der Fahrschule nicht gelernt, woher soll ich das auch können. Und da das Thema mir jetzt langweilig wird, verschiebe ich die weiteren Informationen über Bordtechnik, da gibt es nämlich noch das ein oder andere zu erzählen, auf Montag. Gute Nacht.

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Sonntag, 16. Januar 2022
Closet
Wenn Sie sich fragen, warum ich heute schon wieder über die Situation in meinem Schlafzimmer schreibe und es zudem immer nur um Bettwäsche oder Mobiliar geht, ob ich denn wohl keine anderen Probleme hätte, kann ich an der Stelle sagen: Nein. Ich habe heute keine anderen Probleme, und das ist ja erst mal sehr gut. Ich für meinen Teil bin damit sehr zufrieden. Andere Leute sprechen ja auch die ganze Zeit über vollkommen belanglose und uninteressante Dinge, zum Beispiel, ob irgendjemand in irgendein Land einreisen darf, um da irgendeinen Sport zu machen. Ich sage Ihnen, wie ich mich dem Thema nähere: Man darf in das Land nur geimpft einreisen, wenn man nicht geimpft ist, darf man nicht einreisen, mehr muss ich nicht wissen und mehr interessiert mich auch nicht. Gestern versuchte Herr H. kurz, das Thema bei mir zu platzieren, und meine Reaktion war unangemessen laut. Es gibt so viele Probleme in der Welt, ob irgendein Multimillionär seinem Sport nachgehen darf oder nicht, rangiert für mich weit unter der Relevanzschwelle, bei der ich zuhören möchte.

Viel relevanter für mein Leben zum Beispiel ist ja, dass ich das Projekt Bettwäsche ja erfolgreich abgeschlossen habe, und noch immer freue ich mich drastisch über die neuen Möbel im Wohnzimmer, die Form und Funktion in meinen Augen perfekt kombinieren und die mein Leben auf eine erstaunliche Art und Weise verändert haben. Allein die Anwesenheit eines Sofas führt dazu, dass immer alle darauf sitzen, und die Anwesenheit von über 20 Schubladen und einem Vielfachen an abgeschlossenen Schrankfächern führt dazu, dass grundsätzlich überhaupt nie mehr aufgeräumt werden muss, da ja immer einfach alles wieder sofort an seinen Platz sortiert wird. Nun gut, von mir, da ich aber ja immer da bin, fällt das zeitlich nicht ins Gewicht. Fällt also zum Beispiel der Satz - soeben passiert - "die Nachbarn kommen um 7 und fragten, ob es Abendessen gibt" führt zu exakt gar keiner Reaktion, es muss ja nichts gemacht werden. Das ist sehr schön.

Abgesehen von der Bettwäsche ist mein Schlafzimmer derzeit ein uneingeschränkt trauriger Ort. Als ich vor 6 Jahren die Grundrisse für Schlafzimmer/Kinderzimmer/Bad plante, war der Gedanke, dass so ein Kind in seinem Kinderzimmer wohnt, die Mutter in ihrem Schlafzimmer nur schläft, und da es Fenster zu verteilen gab, kriegte das Kind 2, die Mutter 1, was zu einem sehr schlechten Zuschnitt im Schlafzimmer führte. Und - Sie hatten das System schon verstanden - ich hatte noch Sachen aus dem Studium übrig, die erstmal dort geparkt wurden, mit dem 2015 fest vorgenommenen Vorsatz: Über die Möbel mach ich mir mal Gedanken, das kann ja so nicht bleiben. Der Raum ist verwinkelt und klein, dafür sehr hoch, darin stehen zwei wirklich nicht mehr schöngefundene Kommoden aus Schweden, die ganz hervorragend noch schlimmere Möbel im Wintergarten ersetzen könnten und ein schlimmer Kleiderschrank, ebenfalls aus Schweden, mit schlimmen Glasschiebetüren. Ich hasse alles daran, insbesondere das Sarg-Gefühl, wenn man im Bett liegt und weiß, dass man im Falle eines Erdbebens vermutlich tot sein wird, da der Schrank... egal, schlimm.

Kleiderschrank ist so eine Sache, die, ähnlich wie Sofa, nie für mich passt, wenn sie im Laden steht. Ich habe in 30 Jahren Kleiderschrankerfahrung über mich gelernt, dass ich einerseits einen sehr ausgeprägten Hang zu Struktur und Ordnung habe, es andererseits an keiner Stelle geschafft habe, mit verschiedenen Ordnungsvarianten die Übersicht über verschiedene Themengebiete zu behalten. Mein Schrank ist 60 tief, und das ist absoluter Unsinn. Ich brauche keine 60 tief. Ich falte meine Pullover sehr ordentlich, und was ich dann brauche, ist quasi ein quadratisches Fach, in das genau ein Stapel Pullover passt. Von diesen Fächern brauche ich allerdings viele, ich habe nämlich Kohorten. Wollpullis Ringel, Wollpullis schwarz, Wollpullis High End, das sind schon 3 identische Fächer. Die Kohorten zu vermischen ist mir nicht recht. Gleiches System für Longsleeves. Jeans blau, Jeans schwarz, Jeans für gut. Sind schon 9. Dann T-Shirts. Und diverse andere Dinge. Ich brauche viele Fächer und zwei Kleiderstangen für Blusen. Eventuell noch eine für Kleider. Und viele Schubladen, meine Unterbekleidung unterliegt natürlich auch einem sehr kleinteiligen System.

Darüberhinaus möchte ich in diesem kleinen, verwinkelten, absurd hohen Raum kein Möbel mehr über meiner Sichtachse, und schon gar keins mehr, das 60 tief ist. Ich kürze ab.

Ich hatte die Idee, einfach ein halbes Wohnzimmerregal zu kaufen und das einfach mithilfe einer improvisierten Kleiderstange zum Schrank umzufunktionieren. Und das mache ich jetzt. Zwei Tage lang habe ich Kleidungsstücke vermessen, Pullistapel ins Wohnzimmer gebracht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viele Fächer ich brauchte und ob mit meiner üblichen Falttechnik die Tür zu geht, habe Wäsche sortiert um zu gucken, ob ich mit 12 oder doch lieber mit 16 Schubladen (zu Lasten eines guten Laufweges) rechnen sollte, habe die alte Kommode vermessen um zu berechnen, ob ich für eine Kommode, das ist der Ort, wo ich Wäsche falte, Füße oder keine Füße brauche, um mich nicht bücken zu müssen, da ich natürlich auch in diesem Fall wieder nur für die Ewigkeit kaufe, und in der Ewigkeit kann ich mich eventuell nicht mehr gut bücken, habe Kleiderbügel in das Wohnzimmerregal gehalten um zu gucken, wie breit die maximal sein dürfen, um nicht abgestoßene Ecken an der Kleidung zu riskieren UND habe meine längste Seidenbluse vermessen, und raus kam exakt eine einzige allerbeste Lösung:

"Schrank", 1,57 hoch, 4,21 lang, 47 tief



Kommode, 91 hoch zum Falten



Und ein Nachttisch auf sehr hübschen Rollen, den ich exakt jetzt zwar schon so habe, aber in hässlich und beschädigt



In 9 Wochen werden die Sachen geliefert, zusammenbauen wird irgendjemand selber, und dann ist das Thema auch durch. Dann liegt es alles nicht mehr an den äußeren Umständen. Wenn ich dann noch nicht schlafen könnte, läge es wohl an mir.

(Und wenn Sie noch immer keine Aktien des Unternehmens kaufen, sind Sie langsam wirklich selber schuld. Offensichtlich habe ich komplett die Kontrolle verloren.)

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Samstag, 15. Januar 2022
Iron Man
Es ist vollbracht. Nein, ich habe noch nicht mein Auto abgeholt, ich glaube, ich mache das auch einfach nicht mehr, das kommt mir nämlich ungelegen, aber ich habe mein Bett bezogen. Und heute Nacht werde ich testen, ob ich noch weitere Ruheminuten herauskitzeln kann. Die Bestellung neuer Bettwäsche und die Benutzung des ersten Sets führte bereits dazu, dass ich mich aufs Schlafengehen freute und direkt gar nicht zwischen 2 und 5 Uhr morgens alternativ nachgedacht oder Candy Crush gespielt habe. Ich habe einfach geschlafen. Gestern kam dann noch mehr Bettwäsche, ich hatte ja die von 2012 für mich als aussortiert erklärt, ich brauche frischen Wind, und dann blabla, hatte ich heute den Wunsch, die inzwischen trockene Bettwäsche zu bügeln. Ich stellte mir vor, wie - und ja, Leinen knittert edel, my ass, ich habe alles Leinen an Damenoberbekleidung aussortiert, knittrig ist knittrig, ich steh ja nicht vorm Kunden und der sagt: "Oh, Frau Herzbruch, das ist eine sehr edle Falte vom Anschnallgurt" - ich mich abends in so ein duftendes, gebügeltes Bett lege, und schon hatte ich noch eine weitere Stunde Schlaf herausgearbeitet. Also bügelte ich die Bettwäsche. Und während ich damit begann, fiel mir auf, dass ich ganz genau weiß, wie man Bettwäsche bügelt, ich habe nämlich meine Bettwäsche in meinem Elternhaus in den letzten Jahren selber gebügelt, das hatte ich vergessen. Als ich klein war, brachte meine Mutter alles in die Mangel, ich erinnere mich gut an sie und mich in der Waschküche, sie hatte einen orangen Wäschekorb und so eine Instant-Zitrone mit Wasser drin, dann haben wir die Bezüge erst gereckt, dann hat sie sie mit der Zitrone besprenkelt und gefaltet, und dann kamen sie ein paar Tage später glatt aus der Mangel zurück. Dann verschwand die Mangel, die Dame war auch 200 Jahre alt, und ab dem Moment bügelte meine Mutter die Bettwäsche. Ich komme aus einem Haushalt, wo halt Sachen gebügelt wurden, sogar Geschirrtücher.

Während ich also bügelte, wusste ich direkt wieder, wie man am allereffizientesten einen Bettdeckenbezug bügelt, ohne irgendeinen Strich zuviel machen zu müssen. Was in dem heutigen Szenario anders war als 1990: Sollte ich das noch mal machen wollen, muss ich vorher unter dem Bügelbrett saugen, sonst hat man reinweißes Leinen mit tiefschwarzem Hundehaar, das ist nicht schön. Es waren nur sehr wenige Haare, gestern war gesaugt worden, aber wenn man schon bügelt, dann soll es ja auch perfekt sein.

Neben der Bettwäsche bügelte ich noch Stoffservietten, und das kam so: Ich lebe ja seit 15 Jahren in einer häuslichen Situation, in der etwa die Hälfte des Tages die Ökobilanzen von irgendetwas ausgerechnet werden, und so habe ich mir bestimmte Denkmuster angeeignet. Da ich gut erzogen bin, erwarte ich beim Essen den Gebrauch einer Serviette, für den täglichen Gebrauch zur Not auch ein Stück Küchenkrepp, alles, was nicht der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden kann, wird hier allerdings skeptisch gesehen. Also gab es dann Küchenrolle mit halben Blättern, das sah ich wiederum skeptisch, dann kamen Stoffservietten ins Gespräch. Da ich aber sofort ins Feld bringen konnte, dass man die dann separat waschen müsste (heißer als üblich, und ich würde immer helle nehmen, da ich ein Gefühl von Sauberkeit auch optisch brauche an der Stelle), war die Ökobilanz direkt wieder schlecht. Als ich aber weiße Bettwäsche bestellte, war die Rechnung einfach: Ich benutze jetzt einfach die Stoffservietten, da eh regelmäßig eine Maschine weiß ordentlich gewaschen werden muss, da fallen die Servietten nicht mehr auf, Ökobilanz also top (und wir sprechen jetzt nicht über die Produktionskette, danke!), also wusch ich weiße und hellrosa Stoffservietten und bügelte die direkt mit. Wenn ich jetzt schon die Solaranlage auf dem Küchendach hätte, müssten wir an dem Punkt auch nicht weiterrechnen. Egal. Jedenfalls bügelte ich also Bettwäsche und 12 Stoffservietten, weil das im Prinzip alles gut durchdacht ist und ökologisch okay und ja auch durchaus alles hübsch. Aber.

Ich hatte intrapandemisch vergessen, WIE SCHEISSE Bügeln ist. Die ersten zwei Kissenbezüge waren okay, besser noch, ich war hoch euphorisch, und dann verlor ich die Lust. Meine größte Angst zu diesem Zeitpunkt ist, dass der Rest der Familie jetzt denkt "super, wir sind jetzt Menschen, die immer gebügelte Stoffservietten haben" und, dass es im Düsseldorfer Norden keine Heißmangel gibt, weil es halt 2022 ist und eh alle Leute Seersucker (argh) oder Microfaser (aaaargh) kaufen. Dann weiß ich auch nicht mehr. Denn: Ich bügel das zukünftig nicht, soviel steht fest.

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Sonntag, 18. Juli 2021
Not just sad, also old
Letzte Stunde 44. Hälfte ist rum. Ich sitze mit Frau N auf meinem Sofa, ich sitze ja niemals auf dem Sofa, weil es mich auf eine sehr direkte Art damit konfrontiert, dass man für Dinge sehr viel Geld ausgeben kann, weil man so furchtbar überzeugt ist, und dann benutzt man es nie, weil es in der Praxis gar nicht so gemütlich ist, wie in der Theorie. Wenn das mal keine Allegorie ist. Mit Frau N habe ich in Düsseldorf noch nie auf dem Sofa gesessen, heute aber suchen wir Spaß, und den kann man für einen kurzen Moment haben, weil das Sofa aus einzelnen dicken Ledersesseln besteht, die mithilfe von Sensoren hin- und herfahren und die Liegeposition verändern. Zudem ist mein Handyakku leer, und auf dem Holzplateau, auf dem die Sessel stehen, befindet sich ein kleiner Induktionsladepunkt. Wir sind also etwa 30 Sekunden hin und hergefahren, ich habe mein Handy auf den Ladepunkt gelegt, und jetzt ist uns langweilig und wir machen Sachen im Internet. Frau N komponiert ein Lied, ich blogge das letzte Mal mit 44. So schnell kann's gehen. Mit 31 habe ich angefangen.

45 muss besser werden als 44, und da muss es jetzt in strukturierten Schritten hin. Quasi ab morgen. Pandemie hat mir nicht gut getan, Teile meines Privatlebens haben mir nicht gut getan, ich habe einige wirklich dumme Entscheidungen im letzten Jahr getroffen, und gearbeitet habe ich auch zuviel, und in den letzten Monaten habe ich den Tribut dafür gezahlt. Da ich aber a) nur mäßig verrückt bin und b) Menschen um mich rum habe, die gut auf mich aufpassen, wird 45 das Jahr, in dem es bergauf geht, nach einem recht rapiden bergab. Und ab morgen - also ab jetzt quasi - schaffe ich mir die Rahmenbedingungen. Ich bin noch nie auch nur am Rande einer Depression gewesen, würde auch zu diesem Zeitpunkt eher von einem ordentlichen Burn Out sprechen wollen, aber Dinge müssen passieren.

1) Ich muss halt wieder essen. Ich habe kein Interesse mehr am Essen, tue es auch eher schlecht als recht, und jetzt kann ich mir natürlich nicht selber anordnen, dass ich wieder Appetit haben muss, aber ich kann mir sehr wohl selber anordnen, dass ich einfach regelmäßig esse. Eine genaue Idee habe ich noch nicht, wie, was und wie oft, ich weiß nur, dass ich in den nächsten Wochen in einer Liste an Frau N. täglich berichten werde, was ich gegessen habe, um mal einen Überblick zu bekommen. Da auch dieses Phänomen neu ist, gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass das managebar sein wird.

2) Nachdem ich jetzt fast drei Monate wieder geraucht habe, muss das natürlich wieder weg. Davon verspreche ich mir nicht nur längeres Leben, sondern eventuell auch Hunger. Das wären zwei Fliegen mit einer Klappe, und das ist doch super. Ich habe noch 4 Zigaretten übrig, die dürfen noch vor Ablauf des 19. geraucht werden, dann ist Schluss. Ich weiß ja, dass ich aufhören kann, und wollen tue ich auch, mehr braucht es nicht.

3) Wenn ich schon esse und nicht mehr rauche, kann ich auch den Alkohol weglassen. Ich trinke gerne Cremant, und ich wittere an der Front auch gar kein Problem, dennoch kann es ja nicht schaden, bis Ende des Jahres höchstens noch in Gesellschaft einen Cremant zu trinken. Gesund ist es nicht, das können wir festhalten, und mein Lebenswandel muss sich eh ändern, die schädlichen Komponenten müssen einmal weg, zumindest, bis ich wieder auf dem Damm bin. Also höchstens in Gesellschaft. Ist ja noch Pandemie, Gesellschaft ist selten.

4) Ich mag meinen Mann, also jetzt nicht als mein Mann, aber als Person, aber unser seit sieben Jahren währendes Wohnprojekt nach Ehe wird jetzt beendet. Das haben wir gut geklärt heute. Wir hassen uns nicht, wir mögen uns sogar, aber keinen Tag länger möchte ich mit ihm in einem Haushalt leben, auch nicht mit getrennten Bereichen. Ich möchte auch nichts mehr mit oder für ihn organisieren, und diese Situation wird jetzt hergestellt. Meine Lieblingsvariante wäre ja, dass er ins Nachbarhaus zieht, dort wird eine Wohnung frei. Und dann kann er auch mal zum Abendessen kommen, und Ona jeden Tag komplikationslos sehen, hier oder nebenan. Das wäre schön, in dieser Wohnung klappt das nicht mehr. Ich möchte grundsätzlich nicht mehr mit einem Mann zusammenleben, ich hätte aber sehr gern einen Mann für den spaßbasierten Teil meines Lebens an meiner Seite, aber im übertragenen Sinne. Nicht in meiner Wohnung. Einen Mann, den ich mag und der mich mag. Und das ist neu, aber auch interessant.

5) Ich habe ein paar administrative Baustellen, die mit dem Tod meines Vaters entstanden sind, die vermutlich inzwischen einen höheren vierstelligen Betrag an "hätte ich mal früher machen sollen" kosten, ich konnte und kann mich aber nicht dazu überwinden. Totaler Unsinn, aber geht halt nicht. Und die werden jetzt outgesourct. Ich kann natürlich auch gut noch ein bisschen im Bett liegen und grübeln, aber zielführender und entlastender wäre es sicherlich, das einfach in kompetente Hände zu geben, irgendwann zum Notar zu laufen, ein paar Unterschriften zu leisten und ansonsten weiter zu verdrängen, während die kompetenten Hände das regeln. Die Idee habe ich Frau N gepitcht, und sie hat schon in die Wege geleitet. Dann ist das auch aus der Welt.

6) Schlafen. Vielleicht kann ich dann auch irgendwann wieder schlafen. Denn hey. 45 ist nicht nix! Und um es mit Raj von TBBT zu sagen: "Come on, dude, I'm exhausted and Tyra Banks says the most important item in your makeup bag is a good night's sleep."

(Bitte keine Tips/Standpauken/Mitleidsbekundungen. Alles wird gut, auch at rock bottom. Ist ja immer so. Und ich hab auch noch ein bisschen Shrink Budget.)

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