Freitag, 14. September 2012
Herzbruchens im Urlaub Teil 5
im sueden nix neues. auto in ordnung, kind aufsaessig, hace frio, keine nahrung ohne ei oder schinken/fleisch, das vokabular des kindes erweitert sich. er ist der meinung, dass er inzwischen genug woerter kann, naemlich: hola, adios, gracias, caramellos (bonbons) und pompas de jabon (seifenblasen). damit kommt er in dem dorf, in dem jeder ueber 60 (und das sind fast alle) ihn mit bonbons bewirft oder ihm einen euro gibt, zum seifenblasenkaufen, auch sehr weit. unser neues wort ist pajita (strohhalm), danach muss man immer fragen, sonst gibts gebruell.

gleich dann also tossa del mar. ich bin gespannt, wie dort das gemueseangebot ist. (gestern in mirambel, einem anderen bergdorf, fanden wir obst und gemuese ja in einem touristenladen, wie vielsagend. ansonsten bleibt es bei tortillas de patatas, haette ich 98 das geld gehabt, haette ich die wahrscheinlich 3 monate lang gegessen.

und dann noch eine kleine impression eines typischen gespraechs zwischen zb tante amparo (gestern 70. geburtstag) und mir (blubblubb signalisiert sprache, die ich nicht verstehe):

a: "hallo, schoen, dass ihr da seid, blubblubb kuchen, blubblubb setzt euch."
h: "ja, lecker."
a: "mama (senora leonida, ist vorgestern 97 geworden) blubblubb blubblubb krank blubblubb blubblubb schwierig"
h: "oh je, schlimm, arme mama."
a: ?? (vermutlich sagte sie, dass sie so froh ist, dass mama nicht krank ist)
h: "mich finden kaffee gestern so lecker in spanien, ist immer so kraeftig."
a: "ja, blubblubbblubblubbblubblubbblubblubbblubblubb deutschland. auch. welchen blubblubb?"
h: "nespresso."
a: "aaaaah."
h: "kommen noch familien zum feiern etwa tochter?"
a: "cobadonga." (name der tochter, herzbruch vollkommen verwirrt, klingt er doch in meinen ohren wie eine afrikanische tierart.)
arbeit blubblubbblubblubb spanien sehr schlecht."
h: "sehr schlecht. schlimm."
a: "regierung. schlecht blubblubbblubblubb arbeit. geld. sehr schlecht."
h: "ja, sehr schlecht."
a: "du verstehst uns."
h: "claro."

dazu muss man noch erwaehnen, dass ich gar nicht genau unterscheiden kann im redefluss, welche teile spanisch und welche valenciano sind. aber da ich eh nur substantive identifiziere, aendert das auch nix.

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Donnerstag, 13. September 2012
Herzbruchens im Urlaub Teil 4
manchmal haben sie einfach echt streit.
bis gestern waren naemlich in dem apartamiento unter uns noch mann und frau, mitte 40 vielleicht, eher einfach gestrickt. interessanterweise hatten wir wohl das glueck, von all den lauten spaniern die allerlautesten gefunden zu haben. bis nachts um 1 diskutierten sie sehr laut, wobei man aber eigentlich nur sie hoerte. nun war meine vermutung folgende: beide sind verheiratet, allerdings mit anderen leuten. und um mal so richtig in ruhe sie wissen schon, kamen sie hierher, um mitten in der einoede usw. dann streit. vermutlich lag ich fast richtig, zumindest erzaehlte sie mir gestern vom balkon, aehnlich wie evita peron, dass der mann, nicht ihr gatte, nicht einmal ihr novio, ihr amigo halt, sehr geizig sei, und sie habe ja gar kein eigenes geld, und dann waren sie im restaurant und sie wollte tintenfisch essen, tintenfisch war allerdings a la carte und nicht teil des menus, und dann hat er ihr das verboten, und jetzt wollte sie am freitag mit uns an die costa brava fahren. ausserdem seien viel zu viele auslaender in spanien. usw.

haben wir auch alle ueberlebt, sie sind abgereist, wir fahren mit dem heilen auto morgen alleine an die costa brava, und in unserem haus herrscht heilige ruhe, bis auf die kuhglocken und jankende hunde ueberall.

und dann sind wir gestern auf die burg geklettert, was mit so viel sonne auf dem kopf und einem kleinkind schon recht anstrengend ist. sehr, sehr viele treppen, alles recht steil und endlos. und dann kommt man oben an und schaemt sich ein bisschen, dass man erstmal die wasserflasche rausholen muss, waehrend die reisegruppe 70+ sich angeregt unterhaelt. der fotoapparat war zu dem zeitpunkt uebrigens leergeknipst, wir konnten den grossen koerperlichen erfolg also nicht einmal festhalten.

wie die vielen alten leute in einer stadt, die ausschliesslich aus steilen treppen besteht, leben koennen, ist mir eh unerklaerlich. an der gesunden ernaehrung kann es nicht liegen. gestern waren wir naemlich auf familienbesuch bei senora carmen (79), die zum essen geladen hatte. wir durften uns im vorfeld etwas wuenschen, und ich hatte tortilla ausgesucht. das sei ja eine vorspeise, ein fleisch muesse noch besprochen werden. sie schlug kaninchen vor (conejo, in meinem kopf kurz verwechselt mit cojones, hoden, aber das konnte man aufklaeren), und es gab exakt das: eine tortilla als vorspeise, die ona fast komplett alleine gegessen hat, und ein kaninchen als fleisch. nichts dazu. nur ein kaninchen. als sosse erhitztes olivenoel, vermutlich war das das gemuese. als nachtisch gebaeck und eine banane. ein kurzer moment der spannung, da der mann ja immer auswaerts fragt, ob das biofleisch sei, aber er verwarf den gedanken.

ansonsten grosse kakerlake gesehen, traurig ueber babyhund und heute hace frio. aber wir gucken uns eh andere bergdoerfer an, bevor wir um 3 uhr bei amparo mit dem vielen parfum (wieder eine, hilfe) zum geburtstag eingeladen sind und dann um 5 uhr mit amparo ohne viel parfum ein bier trinken. da faellt mir noch ein, dass der mann gestern den ursprung allen raumduftes gefunden hat: ein duftstecker in der steckdose. das konnte ja keiner ahnen. liegt jetzt mit den potpourri-schaelchen auf dem balkon.

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Mittwoch, 12. September 2012
Herzbruchens im Urlaub Teil 3
heute also der tag, an dem es gut ist, dass wir die unterlagen fuer eine blitzscheidung zuhause gelassen haben. und das kam so:

gestern mittag brachen wir mit unserem superkombi auf, um ein kloster in einer hoehle zu besuchen. das war sehr nett, doch danach war noch tag ueber, also fuhren wir nach xiva de morella, ein kleines bergdorf mit 30 einwohnern, 2 davon bekannte vom mann. die waren allerdings verreist, also genossen wir ein wenig die geraeuschkulisse eines schlachthofs. als ich davon genug hatte, setzten wir uns wieder ins auto und fuhren in die serpentinen. es gibt in xiva genau eine strasse, die sich 8 km durch die berge nach morella schlaengelt, das ist wichtige information. wir fuhren also los, und nach 100 m liefen 2 alte leute stadtauswaerts. ich hatte die herrschaften schon vor einem haus sitzen sehen, klarer fall von verdauungsspaziergang, also. dass die beiden jetzt 8 km nach morella laufen wollen, hatte ich ausgeschlossen.

der mann aber war sich unsicher und hatte helfersyndrom. nach 500 m bremste er, sagte, er koenne doch die alten menschen jetzt nicht so einen weiten weg laufen lassen (er hatte das mehrmals selbst gemacht, und auch mit 30 war das grenzwertig), ob er denn drehen solle, und ich sagte sehr entschlossen nein, da ich a) mir sicher war, dass die nicht nach morella muessen, und b) ich auf gar keinen fall wollte, dass der mann jetzt irgendeine wendeaktion in den serpentinen startet. und dann eine szene, die unsere ehe sehr gut zusammenfasst: ich sage nein, auf gar keinen fall drehen, der mann bremst, faehrt rechts in die pampa, dreht, setzt das auto auf einem stein auf, es macht ein fieses geraeusch am unterboden, und seitdem verliert es wasserartige fluessigkeit. ich muss nicht erwaehnen, dass die alten herrschaften schon wieder fertigverdaut vor ihrem haus sassen und auf den schlachthof guckten, als wir mit dem tropfenden auto wieder ins dorf rollten. auch ueberfluessig zu betonen, dass die maennliche feststellung, dass das nicht ganz so cool war und die einsicht, dass er besser auf mich gehoert haette, nicht zur besaenftigung beigetragen hat.

wenn das auto gestanden hat, tropft es uebrigens nicht. ist das wohl die klimaanlage und gar nicht bremsfluessigkeit? gehoert das vielleicht so? oder isst der mann jetzt wie 98 nur noch brot und tuetensuppe, weil die 1800 euro selbstbeteiligung von seinem essensbudget abgehen...

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